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10 interessante Dinge, die Sie über die Formel E wissen sollten

Verfechter sehen die Formel E in Zukunft als das wichtigste Motorsportereignis, die Fangemeinde wächst. Nur: Gemessen an den Zuschauerzahlen hat die Königsklasse, die Formel 1, immer noch einen riesigen Vorsprung auf der Beliebtheitsskala. Ehemalige Formal-1-Piloten haben aber längst den Reiz des großen Surrens erkannt.

Stefan Weißenborn arbeitet als Reise- und Motorjournalist in Berlin. Mit seinem Kollegen Ralf Johnen bloggt er unter www.boardingcompleted.me

Banner-Bildnachweis: Shivraj Gohil

Die Vorreiterin

Die Formel E bedeutet Pionierarbeit im umweltbewussten Rennsport: Sie ist die weltweit erste Rennsportserie, die mit rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen ausgetragen wird. Das Eröffungsrennen wurde am 13. September 2014 in Peking veranstaltet. Typisch ist: Bei den Wettkämpfen treten die Piloten, darunter nicht wenige, die ehemals in der Formel 1 starteten, auf Stadtkursen gegeneinander an. Dahinter steckt eine Botschaft: Denn das urbane Umfeld gilt als Ausgangspunkt für einen möglichen Siegeszug von Elektroautos ganz allgemein. Organisator der Serie ist der Automobilweltverband FIA.

Die Fahrzeuge

Anfangs kam ein Einheitsrenner zum Einsatz, der Spark-Renault SRT_o1E, der seine Technik vom McLaren P1 bezog. Mittlerweile ist, trotz technischer Auflagen, eine gewisse Vielfalt eingezogen. Auch andere Hersteller können ihre Boliden für die Formel E homologieren. Während Chassis und Batterie weiterhin einheitlich sind, dürfen die Rennteams am Antriebsstrang unter Vorgaben selbst entwickeln.

Formel - E Fahrezug des Mahindra Racing Teams

Bildnachweis: Shivraj Gohil

Die Geschwindigkeit

Formel-E-Flitzer sind maximal 225 km/h schnell. Damit erreichen sie längst nicht die Geschwindigkeit, die man aus der Welt der Hochleistungsverbrenner gewöhnt ist. Die V6-Hybrid-Motoren der Formel 1 werden mit um die 320 km/h schneller gefahren. Die offizielle Bestmarke liegt bei 369,6 km/h, aufgestellt durch den Brasilianer Antonio Pizzonia im Jahr 2004. Bei der Beschleunigung von Tempo Null auf 100 km/h können die Formel-E-Boliden mit den konventionellen fast mithalten: 2,9 Sekunden benötigen sie für den Sprint. Den Beschleunigungsweltrekord laut Guinness-Buch der Rekorde hält wiederum ein E-Flitzer, der allerdings außer Konkurrenz fährt: 1,779 Sekunden.

Formel - E Fahrzeug

Bildnachweis: Shivraj Gohil

Der Rennablauf

Der Begriff Rennsamstag sagt es: Anders als bei der Formel 1 passiert bei der Formel E alles an einem Tag. Der Morgen beginnt mit dem freien Training in zwei Zeiteinheiten. Dann geht es um die Pole-Position: Im in Gruppen ausgetragen Qualifying wird über die Mittagszeit die Reihenfolge der Starter ermittelt. Um die Wurst geht es dann am späten Nachmittag, das Rennen selbst ist jeweils für 16 Uhr angesetzt.

Die Lautstärke

Es heißt immer, die elektrischen Flitzer der Formel E seien leise. Verharmlosend von Surren ist die Rede und mangelndem Motorsound. Solang man den Vergleich zur Formel 1 zieht, kann man so argumentieren. Deren seit 2014 eingesetzten V6-Hybrid-Turbomotoren werden mit einem Schalldruckpegel von 128 Dezibel angegeben, der der elektrischen Boliden dagegen nur mit 80 Dezibel. Beachtet man, dass eine Steigerung um zehn Dezibel eine Verdopplung der wahrgenommenen Lautstärke entsprechen, wie es Psychoakustiker sehen, ist die Formel E tatsächlich leise. Aber: Die Batterieflitzer sind immer noch doppelt so laut wie ein gewöhnlicher Pkw mit 70 Dezibel.

Mahindra Racing

Bildnachweis: Nat Twiss

Das doppelte Auto

Weil die Kapazität der Lithium-Ionen-Akkus auf 28 Kilowattstunden (kWh) begrenzt ist, würden die E-Autos mitten im knapp einstündigen Rennen irgendwann bei leer gesaugtem Stromspeicher ausrollen. Deshalb dürfen und müssen die Piloten das Fahrzeug im Rennbetrieb wechseln. Der Ersatzwagen wird in der Box vom Rennteam bereit gehalten. Zum Reifenwechsel in die Box zu fahren können sich die Teilnehmer anders als bei der Formel 1 dagegen sparen, denn in der Formel E kommen Allwetterpneus zum Einsatz. In aller Regel bestreiten die Rennfahrer ein Rennen mit acht Reifen – je ein Satz pro Bolide. Slicks sind nicht erlaubt.

Die Strafen

Bei Regelverstößen kommt ein Strafkatalog zur Anwendung. Je nach schwere des Vergehens, muss der Fahrer mit bis zu zehn Sekunden Standzeit in der Boxengasse rechnen. Die Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Auflage ist die härteste Sanktion. Die so genannte Drive-Through-Penalty ist die niedrigste Strafe. Dabei muss der Fahrer unter Einhaltung des Tempolimits von meist 50 km/h einmal den Umweg durch die Boxengasse nehmen.

Mahindra Racing wird von Avis gesponsert

Bildnachweis: Sam Bloxham/LAT/Formula E

Die Beeinflussung

Es lässt sich bezweifeln, dass Zuschauer bei Formel-1-Rennen durch ihren Jubel einen nennenswerten Einfluss auf die Leistung ihrer Piloten haben. Zu sehr sind die Rennfahrer abgeschirmt unter ihren Helmen. Anders bei der Formel E: Hier gibt es den FanBoost. Das bedeutet: Wer für Sebastien Buemi, Daniel Abt oder die einst in der Formel 1 angetretenen Fahrer Nick Heidfeld und Nelson Piquet brennt, kann ihnen mit ihrer Stimme helfen. Abgeben kann man sie bis kurz vor dem Rennen auf der offiziellen Website http://www.fiaformulae.com, eine App oder über soziale Medien. Die beliebtesten Fahrer erhalten daraufhin einen so genannten Push-to-Pass, mit dem sie während des Rennens die Motorleistung ihres Boliden für kurze Zeit steigern können.

Der Gewinner

Analog zur Formel 1 wird je Rennen ein Sieger ermittelt sowie ein Gewinner der gesamten Saison. Dafür gibt es ein Punktesystem: Die meisten Punkte, nämlich 25, bekommt naturgemäß der Gewinner eines Rennens. Wer nicht in die Top Ten kommt, geht leer aus. Für das Ergattern der Pole-Position gibt es drei Punkte, die schnellste Runde zählt einen Punkt. Am Ende der Saison wird zusammengezählt und ausgewertet. Analog zur Formel 1 gibt es auch eine Teamwertung.

 

Formel - E Gewinner

Bildnachweis: Zak Mauger/LAT/Formula E

Die Aussichten

Das Ausmaß an weltweiter Strahlkraft, die Historie, der Glamour, die Fahrer mit Popstar-Status: Gegen die Formel 1 scheint der elektrische Ableger der Königsklasse keine Chance zu haben. Doch könnte Folgendes passieren: Weil die Elektromobilität als motorische Fortbewegungsform der Zukunft gilt, wächst auch die Bedeutung des Sports. Denn viele für den Höchstleistungsbetrieb entwickelte und dort erprobte Technologien sind für die Entwicklung normaler Autos Gold wert. Aus diesem Grund sind Autohersteller in der Formel E tätig, und immer mehr steigen in die Rennserie ein, wie zuletzt Audi und Jaguar. Allerdings: Gemessen an der Popularität unter den TV-Zuschauern ist der Weg noch weit. Nach Erkenntnissen der Marktforscher von Repucom liegt der Anteil der Fans, die Formel E im TV anschalten, bei nur vier Prozent gegenüber denen, die Formel 1 schauen.

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