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Der kleine Kontinent – Gran Canaria

Gran Canaria, knapp 1600 Quadratkilometer groß und von rund 800.000 Menschen bevölkert, ist mehr als nur eine Insel. Die drittgrößte der Kanaren ist eine der vielseitigsten des ganzen Archipels.

Sie bietet Stadtleben und Massentourismus, Strand und Meer, Steilküste und Lagunen, Hochebenen und Bergmassive der Cumbre, Kaffee- oder Guajavenplantagen im subtropischen Norden. Am Beach ist es fast immer angenehm warm. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 24 Grad Celsius, ein Ganzjahresziel. „Kontinent in Miniatur“ wird Gran Canaria auch genannt.

Banner-Bildnachweis: iStock.com/Bareta

Stefan Weißenborn arbeitet als Reise- und Motorjournalist in Berlin. Mit seinem Kollegen Ralf Johnen bloggt er unter www.boardingcompleted.me.

Die meisten zieht es gen Süden

An die drei Millionen Gäste kommen jedes Jahr. Die meisten besuchen Las Palmas oder die touristischen Zentren im Inselsüden in den Gemeinden San Bartolomé de Tirajana oder Mogán. Viele unternehmen Inselrundtouren, um die Vielfalt der Insel zu erleben. Familien und Sporttreibende kommen zum Zuge, ebenso wie an Kultur oder dem Partyleben interessierte Besucher. Und wer die Abgeschiedenheit sucht, sollte immer noch ein Plätzchen in einer der Buchten der Nordküste finden.

Der Kommandant Juan Rejón schlug sein Lager im Jahr 1478 aber erst mal auf einem Hügel der Halbinsel La Isleta auf, um im Auftrag der Spanischen Krone die Insel zu erobern. Damit gilt Rejón als Gründer der späteren Stadt Las Palmas de Gran Canaria. Dort wo er sich einst niederließ, steht heute die Kapelle San Antonio Abad im Altstadtviertel.

Las Palmas - bunte Häuser

Bildnachweis: iStock.com/Veskua

Passstraße erfordert fahrerisches Können

Ein intensiveres Reisegefühl beschert heute die Fahrt im öffentlichen Bus, es gibt ein Liniennetz, das alle wichtigen Orte miteinander verbindet. Mehr Unabhängigkeit bietet aber der Mietwagen ab Las Palmas. Keine Strecke ist länger als 80 Kilometer, allerdings erfordert manche Passstraße fahrerische Erfahrung und Zeit. Ausgehend von Las Palmas ist es nicht weit bis nach Maspalomas an der Südspitze. Gerade einmal 60 Kilometer auf der Küstenautobahn GC-1, man wäre in 40 Minuten da.

Aber auf dem Weg wartet Telde, mit 100 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt. Ein Abstecher ist allein aufgrund der teils aus Vulkangestein erbauten Pfarrkirche San Juan Bautista lohnenswert, interessant sind auch die typischen Hausbalkone aus dem Holz der Kanaren-Kiefer. Ein weiterer Pflichtstopp ist die Schlucht Barranco de Guayadequede, die sich aus einer Höhe von 1500 Metern bis zur Ostküste erstreckt. Unweit des Ortes Agüimes liegt ein Höhlendorf mit in den Fels gehauenen Behausungen, die in ihrem Ursprung auf die Ureinwohner der Guanchen zurückgehen sollen. Teils sind die auf modernen Stand mit Wasser- und Stromversorgung gebrachten Höhlen auch heute bewohnt oder dienen als Café oder Restaurant. Die Geschichte dazu wird im Museum Centro de Interpretación de Guayadeque erzählt.

Das ist die perfekte Welle

Den etwas weiter südlich gelegenen Strand El Cabrón ist vor allem Scuba-Freunden bekannt. El Veril del Cabrón ist das größte Tauchgebiet Gran Canarias. Wer abtaucht, erlebt eine vulkanische Unterwasserlandschaft aus Spalten, Höhlen, Schluchten und Kaminen, in der sich Barrakudas, Muränen, Haie, Rochen oder Thunfische herumtreiben. Der Einstieg zu den Spots kann an vielen Stellen von Land aus erfolgen. Aber schon Las Palmas können Taucher als Ausgangspunkt nutzen. Bekannt ist das Gebiet Bajas de La Isleta, im Süden ist der Strand von La Baja de Pasito Blanco ein Begriff in der Szene – neben weiteren Spots im Inselnorden.

Der Norden ist aber vor allem das Revier der Surfer. Ein Mythos ist El Frontón, die weit über die Inselgrenzen hinaus bekannte Welle. Könner auf dem Brett surfen Tubes oder vollführen waghalsige Saltos. Wer die Welle bezwingt, hat die Meisterprüfung bestanden, schließlich bekommen es die Brettersportler mit bis zu fünf Meter hohen Wassertürmen zu tun. Wer das Surfen erlernen möchte, kann aus einem breiten Angebot an Schulen wählen.

Amadores Strand - Gran Canaria

Bildnachweis: iStock.com/Kalineftimov

Beats lösen den Beach-Ball ab

Ein anderer großer Sport auf der Insel ist – wie auf anderen Kanaren auch – das Windsurfen. Am Strand Pozo Izquierdo an der Südostküste sind die Bedingungen verlässlich. Im Juli werden im Rahmen des Windsurf World Cup Rennen ausgetragen. Auch das Meer der Strände Agüimes oder Playa de Vargas sind gute Spots.

Wer Tourismus für Fortgeschrittene steht, die spezielle Atmosphäre, wenn am Strand gegen Abend die Beats immer lauter werden – ist an der Playa del Inglés goldrichtig, dem dreieckig geformten weiten Sandstrand an der Südspitze Gran Canarias. Familien locken womöglich der Palmitos Park mit Delphinshow und Greifvogelvorführungen, die nach eigenen Angaben weltgrößte Kartbahn oder Kamel-„Safaris“ in den Dünen.

Schon tagsüber geht es nicht gerade ruhig zu an Gran Canarias bekannten Stränden, aber es findet noch klassisches Beach-Leben statt. Papis bauen mit ihrem Nachwuchs Sandburgen, Menschen ergeben sich scheintot der Sonne, und durch den Wind dringt das Klacken der hölzernen Beachball-Schläger ins Ohr. Später am Tag werden die Beats vorherrschend.

Zwei Wahrzeichen, beide 65 Meter hoch

Nichts täuscht darüber hinweg, dass es sich bei dem Ferienort Maspalomas, zu dem Playa des Inglés gehört, um eine Besucher-Enklave handelt. Seit den Sechzigern ist Maspalomas zu einem der größten touristischen Zentren Spaniens expandiert. Shoppingcenter mit riesigen Leuchtreklamen sind weithin sichtbar, es gibt Kneipen, die Kölsch oder Altbier ausschenken, große Hotelkomplexe – wie das Gran Canaria Princess.

Es gibt aber auch die andere Seite, wegen der sich der Tourismus hier so stark entwickelte: die Dünen. Anfangs fielen sie dem Boom teils zum Opfer, heute sind sie geschützt („Reserva Natural Especial de las Dunas de Maspalomas“). Die örtliche Fremdenverkehrsbehörde sieht in dem Areal das „wichtigste Touristengebiet“ der Insel. Mitten in den Dünen liegt ein Golfplatz. Insgesamt gibt es auf Gran Canaria acht Gelegenheiten zum Abschlagen, darunter den ältesten Golfplatz Spaniens, den Real Club de Golf im Naturpark Bandama bei Las Palmas. Er wurde 1891 eröffnet.

Einen schönen Überblick auf die Sandmassen von Maspalomas hat man von der Plattform des Ende des 19. Jahrhunderts fertig gestellten, 65 Metern hohen Leuchtturm Faro de Maspalomas, der seit einigen Jahren ein ethnografisches Museum beherbergt. Er ist eines der Wahrzeichen Gran Canarias.

Leuchtturm Faro de Maspalomas

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Auch Gran Canaria hat eine Schneekoppe

Wer etwas mehr Ruhe sucht, kann nach Playa Taurito weiterreisen, gemeinsam mit Puerto de Mogán das Tor zur Steilküste des Westens. Von Puerto de Mogán aus werden Bootstouren entlang der felsigen Küste veranstaltet. Wer die Steilküste von Land aus sehen möchte, kann einen Abstecher zum Strand Playa de Güigüi, einem Naturgebiet machen, das nur über einen Wanderweg oder über das Meer zu erreichen ist.

Ein anderes Wahrzeichen ist der ebenfalls 65 Meter hohe Roque Nublo, ein markanter Basaltklotz vulkanischen Ursprungs, einst ein heiliger Ort der Guanchen, heute für Kletterer frei gegeben und ab dem letzten Parkplatz in einer halben Stunde zu erwandern. Der beeindruckende Felsen liegt westlich des höchsten Inselbergs, dem Pico del Pozo de las Nieves (1949 Meter), der auch „Schneespitze“ genannt wird, da es in Dezember und Januar hier tatsächlich schneien kann.

Das zentrale Bergmassiv teilt die Insel in zwei Hälften, die von den Einwohnern schlicht „der Norden“ und „der Süden“ genannt werden, weil das Klima dort feuchter und hier trockener ist. Auch das Wetter gibt sich auf Gran Canaria alle Mühe, möglichst vielseitig zu sein.

Puerto Mogan Harbour - Gran Canaria

Bildnachweis: iStock.com/Thyrsus

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