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Food-Trends in Deutschland – Was essen wir heute?

Superfoods, kalter Kaffee, gepaarte Lebensmittel und Eingemachtes – was derzeit kulinarisch in Deutschland angesagt ist, ist mindestens so vielseitig wie widersprüchlich. Ich habe nachgeforscht, was aktuell den Ton in der Food-Szene angibt, und wo wir Açai Bowls, Pulled-Pork-Burger und Co. schnabulieren können.

Lea Lüdemann lebt in London, liebt gutes Essen, schöne Cafés und Yoga. Auf www.lealou.me teilt sie regelmäßig Rezepte mit ihren Lesern/-innen und schreibt über das Leben, Yoga, Mindfulness sowie gelegentlich über die Mode.

Banner-Bildnachweis: iStock.com/merc67

Fragt man das Internet nach den großen Food-Trends der Zukunft in Deutschland, dann fliegen einem da allerlei „Zauberwörter“ entgegen: Von „Clean Eating“ ist die Rede und von „Food Sharing“, „Food Pairing“, „Hybrid Food“ und „Infinite Food“ werden genannt, und nach wie vor ganz groß im Rennen ist auch „Low Carb“. Eines ist klar: In Deutschland entstanden sind die meisten der sogenannten Trends nicht, vielmehr scheint zu gelten: Was anderenorts schon angesagt ist, schwappt langsam, aber sicher auch nach Deutschland über.

Clean Eating und Hybrid Food – die Food-Trends aus aller Welt

Einmal ins Deutsche übersetzt, klingt das, was derzeit weltweit als Esskultur gilt, eigentlich recht bodenständig: Wer sich nach dem Prinzip „Clean Eating“ ernährt, verzichtet auf industriell hergestellte Nahrungsmittel und raffinierten Zucker. Stattdessen stehen Obst und Gemüse, natürliche Produkte sowie Vollkorn-Getreide auf dem Speiseplan.

„Hybrid Food“ wurde 2013 mit dem „Cronut“ berühmt, einer Mischung aus Croissant und Donut, die damals von New York aus die Welt eroberte. Mittlerweile dazu gekommen – und sicher auch bald in Deutschland erhältlich – sind der „Crookie“ – ein mit Oreo-Keksen gefülltes Croissant – und der „Townie“: eine Mischung aus Tarte und Brownie.

Cronut - Food Trend

Bildnachweis: iStock.com/martiapunts

Weiter prägt das Prinzip „Food Pairing“ die deutsche Esskultur in diesem Jahr. Lebensmittel, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen scheinen, werden anhand ihrer Aromen kombiniert und überraschen auf den ersten Bissen umso mehr. Rindfleisch mit Schokoladen-Sauce oder Pommes frites mit Melone und Gruyère-Käse sind nur zwei der unzähligen Möglichkeiten, wie laut Food Pairing Lebensmittel-Traumpaare entstehen können. Wer interessiert ist, findet auf der Website von Food Pairing alle Infos und kann selbst auch neue Kombinationen kreieren.

Gut, besser, Superfoods

Was sind also die großen „Hype-Foods“, die derzeit die deutsche Gastronomie auf Trab halten? Knall-lila „Açai Bowls“, zum Beispiel – Smoothies auf Basis von Açai-Beeren, die mit Milch(ersatz) püriert und mit Früchten in einer Schale („bowl“) zum Weglöffeln serviert wird. Wer in Köln lebt oder einen Besuch plant, bekommt bei The Great Berry kunterbunte Açai-Schalen. In Berlin unbedingt bei Daluma vorbei schauen, und in Hamburg ist das Paledo zu empfehlen.

Generell spielen Superfoods eine zentrale Rolle unter den aktuellen Food-Trends: Mehr und mehr werden Chia-Samen, Goji-Beeren, Quinoa sowie Avocados in die Menüs der Cafés und Restaurants integriert. Bei Goodies (Berlin) und Veganz (Hamburg) bestimmen Superfoods nicht nur maßgeblich die Menüs, sondern können im angrenzenden Feinkostmarkt auch in Rohform erstanden werden.

Beliebt sind bei den Deutschen derweil auch sogenannte „Buddha bowls“, deren überdurchschnittlicher Nährstoff-Gehalt uns so satt und glücklich machen soll wie es ein zufriedener Buddha mit kugelrundem Bauch ausstrahlt. Was genau in eine Buddha bowl reinkommt, ist quasi jedem selbst überlassen – die einzigen Voraussetzungen lauten: Gesund muss es sein, und – wie es der Name „bowl“ vermuten lässt – in einer Schale soll das Gericht serviert werden.

Zudem sind Health-Food-Superstars wie Ella Mills, Sarah Britton sowie David Frenkiel und Luise Vindahl längst auch in Deutschland Stars, haben sie mit ihren modernen, hauptsächlich pflanzlichen Rezepten nicht nur die Blogger-Szene auf den Kopf gestellt, sondern mittlerweile auch jeweils Bestseller-Bücher veröffentlicht, die allesamt auch auf Deutsch erhältlich sind.

Acai Bowl - Super Food

Bildnachweis: iStock.com/katyenka

Und wie schaut es bei den Getränken aus?

Da folgt auf „cold brew“ – Kaffee, der im kalten Wasser mindestens zwölf Stunden zieht und dann eisgekühlt serviert wird – schon gleich der nächste Hype: „Bulletproof coffee“ – Kaffee, serviert mit etwas Butter und Kokosöl verrührt und je nach Geschmack mit einer Prise Zimt oder Kardamom verfeinert. Die Idee hinter dem „kugelsicheren Kaffee“ stammt aus Tibet, von wo aus der Kaffee seinen Weg über das Silicon Valley in die weite Welt gebahnt hat. Bulletproof Kaffee verleiht uns Energie zum Bäume ausreißen und macht außerdem lange satt.

Auch „Craft Beer“ ist nach wie vor angesagt bei den Deutschen, in Hamburg serviert das Altes Mädchen zum Beispiel sage und schreibe 60 Sorten Bier!

bulletproof coffee

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Wie bei Oma

Wie es mit Trend so üblich ist, gibt es auch in der Food-Szene einen „Anti-Trend“ gegen all die Einflüsse aus der weiten Welt. „Wie zu Großmutters Zeiten“ könnte man ihn nennen: Mehr und mehr sehnen wir uns (wieder) nach Selbstangebautem, Selbsteingelegtem, Selbstgepflücktem – ganz allgemein gesagt nach Selbstgemachtem. Wie bei Oma soll es in der Küche riechen, schmecken und hergehen, sodas auch das Backen mit Urgetreide – Emmer, Einkorn und Dinkel –  zunehmend beliebter wird. Außerdem erfährt Pseudogetreide ein Comeback in deutschen Küchen: Quinoa, Amaranth und Buchweizen sind frei von Gluten und erfreuen sich deshalb vor allem in der ernährungsbewussten Food-Szene großer Beliebtheit.

Hausgemachtes Granola

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Von der Hand in den Mund: Street-Food-Märkte und Food-Trucks

Schon seit längerem angesagt, und doch nach wie vor im Trend, sind Street-Food-Märkte. Klein und vereinzelt angefangen, findet man in vielen Großstädten heute gar permanente Märkte, die bei Wind und Wetter kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt servieren. Mit Burger und Pommes haben die Street-Food-Trucks jedoch nur selten etwas zu tun. „Pulled pork“ oder „Pulled beef“, vegane Burritos, Lachs-Burger, Süßkartoffel-Pommes und im Anschluss „Frozen Quark“, „Cake Pops“ und „Ice cream sandwiches“ – wer auf dem Street-Food-Markt nicht satt wird, wird es wohl nimmermehr.

In der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg gilt der „Street Food Thursday“ als Vorreiter der deutschen Street-Food-Kultur, doch ganz deutschlandweit sind die Truck-Märkte im letzten Jahr aus dem Boden geschossen wie Salatköpfe. Auf Facebook werden aktuelle Märkte angekündigt und Stände vorgestellt. Wer im Oktober in Berlin ist, sollte unbedingt beim Stadt-Land-Food-Festival vorbei schauen!

food truck

Bildnachweis: iStock.com/artistan

Food-Boxen: Lebensmittel, portionsweise abgepackt, nach Hause geliefert

Wem das alles zu viel Trubel ist, kann dank Food-Boxen im Abo auch zu Hause schlemmen wie im Schlaraffenland. Bereits vor ein paar Jahren haben sich Hello Fresh & Co. der Frage „Was essen wir heute?“ angenommen und liefern im Wochentakt Lebensmittel in Kisten, optimal portioniert und mit passendem Rezept zum Nachkochen. Neu sind Obst- und Gemüse-Abos, die von Bauern aus der Region geliefert werden und somit die lokale Landwirtschaft ankurbeln. Wer an einem solchen Abo interessiert ist, findet im Netz entsprechende Farmen und Höfe in der Umgebung.

Food Box - Gemüsekiste

Bildnachweis: iStock.com/IPGGutenbergUKLtd

Es geht bunt her in den Küchen und auf den Tellern – oder sollte ich sagen: in den Schüsseln – der Deutschen. Selten waren die Trends so international wie aktuell und selten war die Vielfalt der Köstlichkeiten, die unser Essverhalten bestimmen, so groß. Fast lohnt es sich, eine kulinarische Reise durch Deutschland zu starten – auf der Suche nach der buntesten Açai-Bowl, dem deftigsten Lachs-Burger und dem stärksten Cold Brew Coffee. Immer der Nase nach, vom Süden in den Norden, und Augen auf, wenn ihr auf dem Weg eine Ansammlung amerikanischer Food-Trucks sichtet: Es könnte heiß und fettig werden!

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