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rocky coast

Fuerteventura – Ein Stück Sahara im Atlantik

Angenehme Temperaturen, weite Sandstrände und jede Menge Wind: Fuerteventura ist die perfekte Insel für Wassersportler und Familien. Und es kommt noch besser: Fast nie regnet es.

Stefan Weißenborn arbeitet als Reise- und Motorjournalist in Berlin. Mit seinem Kollegen Ralf Johnen bloggt er unter www.boardingcompleted.me.

Banner-Bildnachweis: iStock.com/eyewave

Eine sonnenverwöhnte Destination für Strandliebhaber

Fuerteventura wird beherrscht von Sand. Im Unterschied zu den anderen Kanaren sind die Strände oft hell, während die Schwesterinseln von dunklem Sand geprägt sind. Und der Sahara-Vergleich hinkt: Denn der Sand der bekannten Wanderdünen im Norden besteht anders als der der großen Kontinentalwüste größtenteils aus fein gemahlenem Muschelkalk und Schneckenhäusern. Was dagegen passt, ist der Fleiß der Sonne. 300 Tage im Jahr scheint sie auf Fuerteventura.

Vulkan Fuerteventura

Bildnachweis: visitfuerteventura.es

Zugleich wird es nie richtig heiß, was der Insel und den übrigen Kanaran einen weiteren Spitznamen eingebracht hat: „Inseln des ewigen Frühlings“. Mit seinen großen Sandkästen ist Fuerteventura bekannt als Urlaubsziel für Familien, es ist aber auch eine Sportdestination. So mancher Profi leistet hier seine Trainingseinheiten ab, und damit sind nicht nur Wassersportler gemeint, die die günstigen Winde nutzen.

Per Buggy oder Quad durch das Land

Zwei Millionen Touristen kommen im Jahr, ein Drittel davon aus Deutschland. Fuerteventuras Küstenlinie ist 340 Kilometer lang. Mit knapp 1700 Quadratkilometern (das entspricht der doppelten Fläche Berlins) ist sie das zweitgrößte Eiland des vulkanischen Archipels. Während die Kanaren politisch eine Autonome Region Spaniens sind, gehören sie geografisch dem afrikanischen Kontinent an.

In den Touristenzentren werden alle möglichen Formen der Mobilität angeboten. In Costa Calma, 65 Autokilometer südlich des Flughafens unweit der Hauptstadt Puerto del Rosario können Urlauber mit Buggys und Quads auf festgelegten Pisten über das Land düsen, öffentliche Busse verbinden die frequentierten Orte. Wer aber bis in die letzten Winkel möchte, zum Beispiel zu abgelegeneren Orten wie Punta de Jandia am äußersten Südwestzipfel, wo ein Leuchtturm steht und das Meer rau ist, greift am besten auf einen Mietwagen zurück. Nur sollte man aufgrund der großen Nachfrage frühzeitig reservieren. Mietstationen auf Fuerteventura gibt es am Flughafen südlich der Inselhauptstadt, aber auch in den Ferienorten.

Weltmeisterschaftswettkämpfe bei beständigem Wind

Der Norden ist auch das Revier der Wellenreiter. Noch sind die guten Bedingungen nicht sehr bekannt, wenngleich sich vor allem im Nordwesten manches Dorf schon zum Treffpunkt von Surfern entwickelt hat. Etablierter Hotspot der Wassersportler mit Boards ist aber die Playa Barca, gelegen auf der Halbinsel Jandía an der Südspitze Fuerteventuras. Auch dort rollen aufgrund des beständig über die Insel wehenden Nordostpassats die Wellen verlässlich mit genügend Swell heran. Seit über 30 Jahren ist der windige Flecken Austragungsort von Weltmeisterschaftswettkämpfen im Windsurfen und Kiteboarding.

Der Strandabschnitt ist Teil der insgesamt knapp 30 Kilometer langen Playas de Sotavento, doch an der Playa Barca südlich des beliebten, aber kaum geschichtsträchtigen Resort-Städtchens Costa Calma ist die Küstenlandschaft des Inselsüdens vielleicht am beeindruckendsten. Daran hat der bei Regenfällen anschwellende Fluss in der Schlucht Barranco de la Barca einen großen Anteil: Er formt in der Dünenlandschaft ein Mündungsdelta, das bei Flut eine Lagune zum Plantschen für Groß und Klein bildet. Bei Ebbe geht es ins Watt zu Wanderungen. Die Strände sind goldgelb und kilometerlang, ein Mekka für Familien mit Kindern und Sonnenhungrige. Die Steilküsten des Westens eignen sich dagegen kaum für Badespaß, teils drohen lebensgefährliche, da ablandige Strömungen.

Sotavento Fuerteventura

Bildnachweis: visitfuerteventura.es

Begegnungen mit Hai und Rochen

Der Atlantik um Fuerteventura ist größtenteils kristallklar, die Sandinsel bewirbt sich auch als Tauchparadies. Surfschulen sind eine Selbstverständlichkeit in den meisten Touristenorten, aber auch Tauchschulen bieten in quasi jedem größeren Ort Kurse an. Es gibt es halbes Dutzend Basen entlang der touristisch besser erschlossenen Ostküste. Vom Punta Amanay Diving Center in Corralejo sind die Tauchspots im Naturschutzgebiet um die Isla de Lobos gut zu erreichen, die Tauchtiefen liegen hier bei bis zu 40 Metern.

In der Meerenge von Corralejo und Lobos werden die Froschmänner an die geologische Entstehungsgeschichte der Inselwelt erinnert. In mittlerer Tauchtiefe gibt es pilzförmige Lavasteinformationen zu bewundern. Doch die Gewässer bieten auch viel Lebendiges. Die Sichtung von fast nur noch in kanarischen Gewässern vorkommenden Engelhaien ist nicht unwahrscheinlich, auch Rochen begegnen die Taucher nicht selten. In Küstennähe treiben sich öfters Meeresschildkröten herum, die selbst Schnorchlern manchmal vor die Maske paddeln.

Surfen - Fuerteventura

Bildnachweis: visitfuerteventura.es

Selbst einen Zoo hat Fuerte

Rund 550 Fischarten leben in den Gewässern des Archipels, darunter Zackenbarsche, Barrakudas oder Papageienfische, aber auch Pottwale und Delfine. Auf halben Wege bis zur südlichen Halbinsel Jandía liegt an der Ostküste der Ferienort Caleta de Fuste mit seinem Castillo, dem wohl besterhaltenen Wachturm der Insel. In direkter Nachbarschaft am Ende der Mole geht die Tauchbasis Deep Blue Diving ihrem Betrieb nach. Die Besonderheit: Aufgrund der exponierten Lage hat die Basis ein Riff vor der Haustür. Man steigt direkt ins Wasser und darf schon in wenigen Metern Tiefe mit Engelhaien, Seepferdchen, Kugelfischen oder Seehasen rechnen. Auch Schwarze Korallen siedeln in der Nähe.

Oben angekommen: Sicht bis nach Gran Canaria

Wer nicht auf Zoobesuche steht, ist womöglich besser damit aufgehoben, die guten Bedingungen auf der Insel für die Fitness zu nutzen. Das milde subtropische Klima überzeugt trotz der südlichen Lage Fuerteventuras sogar ambitionierte Sportler. Freunde des Laufsports, darunter auch mancher Profi, haben den flacheren Norden für sich entdeckt. Es gibt mehrere Anbieter, die Laufcamps veranstalten, man kann Trainingseinheiten mit erfahrenen Läufern gestalten und analysieren.

Wer ein paar mehr Höhenmeter machen will, tauscht die Jogging- gegen die Wanderschuhe aus und begibt sich auf die Schotterpfade in Richtung des gut 800 Meter hohen Pico de la Zarza im Süden, ab Morro Jable kann ein 13 Kilometer langer Rundweg eingeschlagen werden. Oben angekommen fällt noch einmal auf, wie karg die Insel ist. Bei klarer Sicht sind auch andere Kanaren auszumachen. Man ist umgeben von Geröll und fast nackten Bergrücken, die nur spärlich mit Vegetation besprenkelt sind.

Zarza Fuerteventura

Bildnachweis: visitfuerteventura.es

Nur der heiße Wind kann einen lahmlegen

Unterwegs trifft man auf Mountainbiker oder die ein oder andere Bergziege, die einen daran erinnert, womöglich Ziegenkäse als Souvenir mit auf den Heimweg zu nehmen. Zu Fuß unterwegs springt einem vielleicht auch ein niedlicher Nager über den Weg, den es nur auf einigen Kanaraen gibt: die erst 1985 entdeckte Kanarenspitzmaus.

Einen Strich durch die Rechnung kann das Wetter auf Fuerteventura auch bei sportlicher Betätigung kaum machen, es sei denn, der Calima kommt auf. Das ist ein Ostwind, der die Hitze und Sandpartikel aus der Sahara weit über Meer weht und die Temperaturen sprunghaft um zehn Grad ansteigen lassen kann. Doch regnen wird es kaum. Die Erhebungen der Insel sind noch nicht hoch und die Wolken oft noch nicht schwer genug, als dass sie sich entledigen müssten.

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