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Leineschloss an der Leine, Hannover

Hannover – Vom Maschsee bis zum Steinhunder Meer

Im Sommer nach Hannover? Unbedingt. Die niedersächsische Landeshauptstadt überrascht mit prächtigen Gärten. Wo sich einst der Adel verlustierte, unterhalten heute die weltbesten Pyrotechniker, internationale Orchester und Opernsänger ihr Publikum vor grüner Kulisse. Zum Wasser ist es in der Niedersachsen-Metropole auch nie weit. Den großen See nahe der Innenstadt haben sich die Hannoveraner selber gebaut und wenige Kilometer vor der Stadt liegt das „Meer“.

Susanne Kilimann lebt als Reisejournalistin in Berlin und berichtet aus allen Teilen der Welt, auch gern aus ihrer Heimat – Niedersachsen.

Banner-Bildnachweis: Hannover Marketing und Tourismus GmbH

Hannover 96

Die Saison 2015/2016 wird den Fans von Hannover 96 wohl noch lange in bitterer Erinnerung bleiben. Die Hinrunde verlief mies, die Rückrunde katastrophal, zehn Niederlagen in elf Spielen, so eine blamable Saison hat es in der Ersten Bundesliga selten gegeben. Bereits nach dem 31. Spieltag  stand fest, dass die „Roten“ – wie Hannovers Kicker wegen ihrer Heimtrikots genannt werden – wieder einmal in die Zweite Liga absteigen. Die Fangesänge  wurden leiser, Augen tränenfeucht. Auch unter hartgesottenen Fußballfans gibt es welche, die nah am Wasser gebaut haben.

Hannover’s Flüße

Das Stadion der 96er hat man in der Nähe des Wassers errichtet. Den benachbarten Maschsee und den Schnellen Graben haben sich die Niedersachsen selber geschaffen. Um Naherholung und Freizeitspaß ging es dabei zunächst gar nicht, vielmehr um die Lösung eines praktischen Problems. Hannovers Fluss, die Leine, die sich aus Thüringen kommend durch das Herz der 500 000-Einwohner-Stadt windet, bringt im Frühling Schmelzwasser aus den Harzer Bergen mit. Deshalb hatte es in der mittelalterlichen Stadt immer wieder schwere Überschwemmungen gegeben. Im 15. Jahrhundert kam man auf eine pfiffige Idee und legte – damals noch vor den Toren ihrer Stadt – den Schnellen Graben an. Dieser leitet den größten Teil des Leinewassers in ein Flüsschen namens Ihme um. Das floss damals noch außerhalb des Stadtgebietes und nahm das gefährliche Hochwasser mit. Am Leineufer konnte man fortan auch bei Tauwetter ruhiger schlafen.

Leineschloss an der Leine, Hannover

Bildnachweis: Hannover Marketing und Tourismus GmbH

Am nördlichen Rand der Altstadt treffen sich Ihme und Leine wieder und rauschen in einem gemeinsamen Bett gen Norden davon. Weil die beiden Flüsse und der Schnelle Graben einen Wasserring um die Altstadt bilden, können Freizeitmenschen von heute das Herz der Landeshauptstadt ganz beschaulich rudernd oder paddelnd umrunden. Ein eigenes Boot oder Kanu braucht es dafür nicht. Am Schnellen Graben stellt ein Verleiher die richtige Ausrüstung bereit, und nach kurzer Einweisung kann die etwa acht Kilometer lange Tour auch schon beginnen. Auf halber Strecke bietet sich ein Stopp an der Strandbar auf der Fährmanninsel an, wo an lauen Sommertagen „halb Hannover“ lässig in den Liegestühlen chillt.

Maschsee

Ausflugsschiffe, Partyboote, Segler, Surfer und Tretbootkapitäne sind auf dem Maschsee unterwegs. Zwei Kilometer lang und bis zu 530 Meter breit ist er das größte Gewässer der Stadt. Seine Existenz verdankt er nicht etwa der Natur, sondern Ingenieuren und der Muskelkraft von weit über 1 000 Arbeitern. Und natürlich den Stadtplanern, die ihn am Reißbrett formten, ihm ein schnurgerades Ostufer, ein halbkreisförmiges Becken im Süden und einen rechteckigen Abschluss im Norden gaben. Pläne, im Überflutungsgebiet der Leine einen künstlichen See anzulegen, hatte es schon im 19. Jahrhundert gegeben. Denn damals war Hannover weit über seine mittelalterlichen Grenzen hinausgewachsen, auch das Hochwasser der Ihme brachte nun Gefahren für die Städter und ihr Hab und Gut. Umgesetzt wurden die Pläne aber erst von den Nazis. 1934 erfolgte der erste Spatenstich, zwei Jahre später waren 780 000 Kubikmeter Erdboden in Handarbeit ausgehoben, Pumpwerke gebaut, das Maschseeprojekt vollendet. Dass diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die braunen Bauherren beste Propaganda  war, gehört zum düsteren Kapitel deutscher Geschichte. Der Maschsee aber gehört zu Hannover und die Hannoveraner möchten die Freizeitoase nahe der City natürlich nicht missen.

Maschsee HannoverBildnachweis: Hannover Marketing und Tourismus GmbH

Maschpark

Am Nordende des Sees schließt sich der Maschpark an, ein Landschaftspark, angelegt nach allen Regeln der Gartenkunst, so wie man sie im ausgehenden 19. Jahrhundert pflegte – mit botanischer Vielfalt, einem gefluteten Teich, einer romantischen Seerosenbucht. Auch heute noch ist der Park Besuchermagnet-  alljährlich strömen Tausende zur Freilichtbühne, wenn bei dem Open Air Klassik-Festival im Maschpark große italienische Oper erklingt.

Landesmuseum Hannover

Direkt am Maschpark lockt das Landesmuseum Hannover als Ganzjahres-Ausflugsziel. Naturkunde wird hier nicht nur in Form von Skeletten und ausgestopften Tieren präsentiert. stellen die „Wasserwelten“ unterschiedlichste Lebensräume vor – von der Nordsee bis zum Indopazifik und Besucher können Exemplare von über 200 Wassertierarten bestaunen, die sich in den diversen Meeresgefilden tummeln.  Um Themen wie „Erdmittelalter in Niedersachsen“ und „Entwicklung von Reptilien und Amphibien“ geht es in den „Landwelten“. Dort sind Steinplatten mit Dinosaurier-Fußabdrücken die spektakulärsten Exponate. Sie stammen aus nahegelegenen Steinbrüchen. Forscher schließen daraus, dass das heutige Niedersachsen vor 140 Millionen Jahren ein regelrechter Tummelplatz der Urzeit-Riesen war.

Zoo & Herrenhäuser Gärten

Nicht nur mit Kindern lohnt ein Zoobesuch. Hannovers Zoo wurde schon 1865 eröffnet. Damals war öde Käfighaltung der Standard eines jeden Zoos. Heute werden Löwen, Bären, Gorillas & Co nach neuen Konzepten in liebevoll gestalteten Gehegen präsentiert, die ihrem natürlichen Lebensraum nahe kommen. In den Herrenhäuser Gärten lustwandelten einst die adeligen Herren aus dem Hause der Welfen, wenn sie samt Entourage in ihrer Sommerresidenz, Schloss Herrenhausen, weilten. Je mächtiger Hannovers Welfen wurden, desto größer und prachtvoller wurden ihre Gärten. Den ersten „Karriereschub“ erlebte Hannovers Welfen 1714. Damals erbten sie vom Haus Stuart den Thron des Vereinigten Königreichs Großbritannien. 1814, nach dem Wiener Kongress, gewannen die Hannoveraner auch in deutschen Landen an Einfluss, aus dem Kurfürstentum Hannover wurde ein Königreich. Kurfürsten und Könige leisteten sich barock zurechtgestutzte Natur vom Feinsten. Der „Große Garten“ mit seinen streng geometrischen Achsen zählt zu den bedeutendsten Barockgärten Europas. Für die Wasserspiele gab der Welfenhof ein Vermögen aus. Heute kommen Hannoveraner und Gäste zum Feiern in die Gärten. Höhepunkt der Herrenhäuser Sommersaison sind die Abende, an denen Pyrotechniker aus aller Welt zum Feuerwerkswettbewerb antreten und den Himmel über Herrenhausen mit ihren krachenden Lichtkaskaden erleuchten.

Herrenhäuser Gärten Hannover

Bildnachweis: Hannover Marketing und Tourismus GmbH

Steinhuder Meer

Wer Lust auf naturbelassene Landschaft hat, steigt ins eigene Auto oder in den Mietwagen ab Hannover und fährt ans Steinhuder Meer. Rund 30 Kilometer in nordwestliche Richtung, dann ist das Ziel mit dem etwas irreführenden Namen erreicht. Das Meer ist ein großer See, und der liegt in einem Naturpark mit Feuchtwiesen, Moorgebieten, Rad- und Wanderwegen. Tausende Freizeitkapitäne setzten hier an Sommerwochenenden die Segel. Dutzende tun das auch in strengen Wintern. Dann nämlich friert das flache Binnengewässer zu und Eissegler können auf der erstarrten Oberfläche ihre Runden drehen.

Wunstorf, Steinhudermeer HannoverBildnachweis: Hannover Marketing und Tourismus GmbH

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