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waterfall

Island – Vom Golden Circle auf die Ringstraße

Wer die Insel kennen lernen möchte, sollte sich Zeit lassen. Vielleicht zwei Wochen, besser noch drei oder vier. Allerdings sind auch Varianten möglich, die deutlich weniger Aufwand mit sich bringen. Zwei davon haben wir getestet – innerhalb von nur dreieinhalb Tagen.

Ralf Johnen ist Journalist, Buchautor und Fotograf. Er betreibt den Reiseblog www.boardingcompleted.me, der bei der ITB in Berlin auf Rang 11 der beliebtesten deutschsprachigen Reiseblogs gewählt wurde. Ralf Johnen hat mehr als 40 Länder besucht. Wenn er nicht unterwegs ist, liebt der das Leben in Köln.

Banner – Bildnachweis: iStock.com/kjorgen

Es ist windstill am Hafen von Reykjavik. Außerdem scheint die Sonne. Perfekte Voraussetzungen, um das erste Abenteuer in Angriff zu nehmen. Doch ehe wir mit unserem Mietwagen in Reykjavik starten, nehmen wir bei Icelandic Fish and Chips ein spätes Frühstück zu uns: Fangfrischen Skrei (Winterkabeljau) in hausgemachter Panade. Nach einem Espresso, der eher an Italien als an Island erinnert, machen wir uns auf den Weg, den Golden Circle zu erkunden.

Unter diesem Namen werden jene drei Sehenswürdigkeiten zusammengefasst, die in Island jeder gesehen haben muss. Großer Vorteil: Der „goldene Kreis“ ist mit dem Mietwagen bequem an einem Tag zu bewältigen, denn die Strecke beträgt nur rund 300 Kilometer und Staus gibt es keine. Bei einer angenommenen Fahrzeit von vier Stunden bleiben bei jeder Station also locker ein bis zwei Stunden vor Ort.

Die Wiege der Demokratie

Zunächst steuern wir den etwa 50 Kilometer nordöstlich von Reykjavik gelegenen Nationalpark Thingvellir an. Vordergründig handelt es sich eine sanfte Hügellandschaft, die sich an den Ufern eines Sees ausbreitet. Schon bald erschließt sich jedoch, dass dieser Ort gleich in zweifacher Hinsicht besonders ist: Hier nämlich wurde bereits um das Jahr 930 n. Chr. regelmäßig eine Versammlung abgehalten, die dem heutigen Ideal einer Volksversammlung sehr nahe kam. Für die Isländer ist die Geburtsstätte des Parlaments aber auch deshalb ein Nationalheiligtum, weil hier im Jahr 1944 die heutige Republik Island ausgerufen wurde. Zusätzlich zu der gesellschaftlich-historischen Bedeutung aber besitzt Thingvellir auch eine erstaunliche geographische Besonderheit: An diesem Ort nämlich driften die amerikanische und die eurasische Kontinentalplatte auseinander. Der Riss zwischen den beiden tektonischen Einheiten ist auf eindrucksvolle Weise sichtbar.

Oxararfoss waterfall - Island Nationalpark Thingvellir

Bildnachweis: iStock.com/coolkengzz

Spektakulärer Wasserfall

Nach dem kleinen Crashkurs in isländischer Geschichte fahren wir weiter in Richtung Osten, wo wir nach 70 Kilometern Gullfoss erreichen. Am weiten Horizont ist hier auf den ersten Blick nicht viel mehr als der Ausläufer eines Gletschers zu erkennen. Doch als wir den Mietwagen abstellen, um einen Fußweg zu begehen, stoßen wir nach rund einer Viertelstunde auf ein erstaunliches Naturphänomen: In die Landschaft hat sich ein Fluss eingegraben, dessen Wassermassen sich unter großem Getöse über terrassenartige Ebenen in eine Schlucht stürzen.

Zur Krönung der Geysir

Nach einem herrlichen Lammeintopf im nahen Restaurant wartet auf dem Rückweg der Höhepunkt der Tour: ein Naturschauspiel, das weithin als Geysir bekannt ist. Streng genommen ist die heiße Quelle, die dem Phänomen ihren Namen gegeben hat, versiegt. Heute ist es tatsächlich der Stokkur, dessen Eruptionen in unregelmäßigen Abständen von acht bis 15 Minuten für Entzücken sorgen. Doch weil dieser sich auf dem gleichen Areal wie der Original-Geysir befindet, läuft die geothermische Attraktion noch immer unter demselben Namen. Es ist ein Erlebnis, das man wohl nie wieder vergisst.

Geysir - Island

Bildnachweis: iStock.com/FrancescoRiccaIacomino

Abenteuer Ringstraße

Trotz all dieser Eindrücke von Golden Circle beschließen wir am nächsten Tag, zu einer leicht größenwahnsinnigen Tour aufzubrechen: In den verbleibenden knapp 60 Stunden wollen wir Island umrunden – auf der legendären Ringstraße. Das Wetter schließlich ist nach wie vor perfekt. Und wer weiß schon, ob wir jemals wieder das Privileg haben werden, diese Trauminsel zu besuchen.

Ein Vulkan mit großem Namen

Noch in der Nacht brechen wir in Richtung Südosten auf. Nach gut zwei Stunden – mittlerweile ist es fast hell – baut sich am Horizont ein Vulkan auf, der im Jahr 2010 weltweiten Ruf erlangt hat: der Eyjafjallajökull. Sein Ausbruch hatte vorübergehend den kompletten Flugverkehr in Europa zum Erliegen gebracht.

Eyjafjallajökull Vulkan - Island

Bildnachweis: iStock.com/narloch-liberra

Ein See voller Eisberge

Weite Flussbette, Bergketten und zuweilen schnurgerade Straßen bestimmen fortan das Bild, wobei der Verkehr immer weiter abnimmt und die Besiedlung spürbar dünner wird. Am frühen Abend erreichen wir unser erstes Ziel, das wir uns dick angekreuzt hatten: den Jökulsárlón. Es ist ein Gletscher, der sich in einen See ergießt. Dabei brechen immer wieder Eisberge ab, die sich gemächlich ihren Weg in Richtung Meer bahnen. Durch einen kleinen Fluss gelangen sie schließlich an die Küste, wo sie von der Brandung nicht selten wieder an Land gespült werden. Ein Schauspiel, dessen unwirklicher Charakter dadurch weiter verstärkt wird, dass der Strand an dieser Stelle aus feinem Lavasand besteht. Wir sind sprachlos.

Jökulsárlón - Eisberg Island

Bildnachweis: iStock.com/Dash_med 

Die Fjorde der Ostküste

Am nächsten Tag wird die Landschaft rauer. Die Ostküste Islands ist von Fjorden durchzogen, hinter denen sich hohe Bergketten aufbauen. Für eine Küstenstraße bedeutet dies, dass die Wege länger sind, als sie scheinen. So brauchen wir eine ganze Weile, ehe die mit der Nummer 1 gekennzeichnete Straße ihren Weg nach Nordwesten einschlägt. Hier, hinter dem kleinen Dorf Breidalsvik, wird die Route unerwartet abenteuerlich: Ein Bergpass ist noch nicht asphaltiert. Und während wir mit dem Mietwagen immer weiter in Richtung Passhöhe hinaufklettern, sinkt das Thermometer in bedenkliche Tiefen. Als die Nullgradgrenze erreicht ist und Niederschlag einsetzt, werden wir für einen Moment unruhig.

Besuch eines Naturbads

Letztlich aber erreichen wir unser Etappenziel ohne weitere Schwierigkeiten. Dabei handelt es sich um die Myvatn Nature Baths – die vielleicht schönsten Thermalbäder der Insel. Nach einem ausführlichen Besuch in dem ebenso heißen wie mineralreichen Naturbad (Sauna nicht vergessen!) brauchen wir noch eine Stunde, ehe wir zu unserem letzten Übernachtungsort gelangen: Akureyri, die mit 30.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes.

Myvatn Nature Baths - Island

Bildnachweis: iStock.com/Sylvia_Adams

Nachtleben im hohen Norden

Für eine Kleinstadt am Polarkreis verfügt Akureyri über ein erstaunlich lebendiges Nachtleben: Ganz Nordisland scheint hier zum Feiern zusammenzukommen – und auch wir lassen es uns bei ein paar lokalen Bieren gutgehen. Das vor Ort gebraute Einstök-Bier mundet hervorragend.

Träume vom Polarlicht

Die Nacht ist abermals kurz, da wir bis zum Flughafen Keflavik noch gut sechs Stunden Fahrt vor uns haben. Trotz zahlreicher Fotostopps schaffen wir es rechtzeitig. Auch nehmen wir uns die Zeit für ein Fußbad in einem eiskalten Gletscherfluss. Dabei sinnieren wir natürlich darüber nach bald wiederzukommen, um die gut 1.300 kilometerlange Ringstraße doch noch mal in aller Ausführlichkeit zu genießen. Vielleicht im Winter, wenn am Himmel das Polarlicht zu sehen ist.

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