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Von KaDeWe bis Flohmarkt – Über die Modestadt Berlin

Die Deutschen und die Mode. Zugegeben: Unserem Land wird nicht gerade das größte Stilbewusstsein und überbordendes Interesse an Mode nachgesagt. Berlin ist gekommen, das zu ändern.

Deborah Katona hat sich seit Jahren dem Thema Popkultur verschrieben. Sie ist studierte Modejournalistin, schreibt für Musikmagazine und leitet die Social Media eines internationalen Filmverleihs. Seit über fünf Jahren lebt sie in Berlin.

Banner-Bildnachweis: iStockphoto.com/pack_zero

Berlin, die Hauptstadt der Kreativen

Was Berlin ist: Nicht immer ganz sauber, aber trotzdem irgendwie schön. Unfertig, aber cool. Individuell, etwas verrückt. Schnelllebig, gleichzeitig relaxed. Berlin hat wenig Glamour, aber mit Lässigkeit lebt es sich sowieso viel besser. Diese Lässigkeit führt auch dazu, dass auf Berlins Straßen quasi alles erlaubt ist. Bierflasche neben Super-Smoothie, Jogginganzug neben Pelzmantel, H&M neben Karl Lagerfeld, verrostetes Rad neben Jaguar. Mann mit High Heels, Frau mit rasiertem Kopf. Erlaubt ist, was Spaß macht. Verwunderung erntet man dabei kaum: Gesehen hat man in Berlin nämlich schon so ziemlich alles!

Der Hype um die Stadt, er ist ein relativ junger: keine 30 Jahre ist der Mauerfall her. Noch immer kämpft die Stadt gegen die Verschuldung. Berlin, eine ewige Baustelle. Dafür gibt es – verglichen mit anderen Metropolen – noch Spielraum: Platz für kreative Ideen, Orte für Start-Ups und Zonen für die jungen Wilden. Keine andere Stadt in Deutschland bietet seinen Bewohnern mehr Lebensformen, mehr Veranstaltungen, mehr Variabilität als Berlin. Ein Melting Pot der Kulturen, der Kunst, der Mode, der Musik. Kein Wunder also, dass die Hauptstadt Kreative aus der ganzen Welt anzieht. I want to be a part of it, Berlin, Berlin!

Potsdamer Platz - Bunte Lichter

Bildnachweis: iStockphoto.com/ema_rom

Berlin Fashion Week und Mode made in Berlin

Melting Pot hin, Kreativität her: Die Berliner Fashion Week hat es nicht leicht. Seit 2007 auch in Berlin zu Hause, zeigt die Modewoche zwei Mal jährlich die Kreationen der Kreativen. International bedeutend wie das Pariser Pendant ist sie dabei jedoch (noch!) lange nicht; der Einfluss auf die globale Modewelt längst nicht so stark wie beispielsweise der New Yorks. Verstecken muss sich die deutsche Modeszene trotzdem nicht. Gewiss, die internationale Konkurrenz ist hart. Aber Erfolge wie LaLa Berlin oder Kilian Kerner zeigen, dass deutsches Design auch im Ausland funktioniert.

Nicht wenige Designer haben ihr Können in Berlin perfektioniert: Die dort ansässigen Modedesignschulen brachten Talente wie Vladimir Karaleev, Dawid Tomaszewski oder Perret Schaad hervor. Lena Hoschek, bekannt für feminine Kleidung im Pin Up-Style oder Marina Hoermanseder mit ihrer Designs aus einem Guss beweisen, dass auch Ausgefallenes auf Interesse stößt. Auch wenn beide genau genommen Österreicherinnen sind: Ihre Kreationen lösen zur Berliner Fashion Week jede Saison aufs Neue Begeisterung aus. Handwerkskunst trifft hier Präzision – das kommt schließlich nie aus der Mode.

Laufsteg- Fashion Show

Bildnachweis: iStockphoto.com/MarcinKilarski

When in Berlin – die besten Shopping-Adressen

Berlin ist eine der angesagtesten Einkaufsstädte; Während Deutschlands Modeszene bei der Fashion Week die Looks der kommenden Saison begutachtet, zeigt eine schier unzählbare Menge an Läden aktuelle Kleidungstrends.  Eine einzige Einkaufsmeile wie die Münchner Marienstraße findet man nicht in Berlin. Der Ku-Damm als Shopping-Zentrum hat in den letzten Jahren einige Konkurrenz aus anderen Stadtteilen bekommen. Besonders beliebt ist der Bezirk Mitte: Vom Hackeschen Markt aufwärts über Rosenthaler Platz mit seiner Torstraße bis hoch nach Prenzlauer Berg tummeln sich Stores internationaler Brands und kleine Designerläden. Zu entdecken gibt es richtungsweisendes Design, Kunst, Kultur, Restaurants und Bars.

Wald Store führt eine feine Auswahl an Schmuck, Kleidung und Accessoires. Wer auf der Suche nach Eco Design ist, wird im liebevoll eingerichteten Konk fündig. Beim Sortiment wird Wert auf lokale, faire und hochwertige Produktion gelegt. Feinste Männermode findet der Herr im Soto Store; Mulack- und Münzstraße lesen quasi jedem Modeliebhaber seinen Wunsch von den Augen ab. Wer will, kann hier Stundenlang die Zeit verbummeln. Wenn dann der kleine oder große Hunger kommt: Tapas durchtesten bei Yosoy, asiatisches Essen in stylischer Atmosphäre genießen (z.B. bei Creasian oder Dudu) oder Hippster beobachten im St.Oberholz. Den angeblich besten Kaffee der Stadt zaubert The Barn – stilvolles Ambiente inklusive!

Einkaufstüten - Shopping

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Traditionell und Innovativ: Von KaDeWe bis Bikini Berlin

Noch immer eine Institution – und besonders in der Weihnachtszeit wunderschön dekoriert: das KaDeWe. Das größte Warenhaus auf dem europäischen Kontinent bietet auf sieben Etagen alles, was das (Luxus-)Herz begehrt. In der Essensabteilung unter dem Dach bekommt man Leckereien aus aller Welt und verbringt ganz genüsslich bei einem Gläschen Sekt die Shopping-Pause.

In der Galeries Lafayette gibt es ebenfalls eine wohlüberlegte Auswahl an Designerware. Mit Bikini Berlin hat die Stadt ein „alternatives“ Einkaufspassagen-Konzept erhalten. Hier findet man unter anderem Pop Up-Boxen, die temporär für innovative Produktideen und von aktuell unbekannteren Designern genutzt werden können. Doch auch wer nichts kaufen will, hat Spaß im Bikini Berlin: Das stets gut besuchte Café bietet einen Ausblick in den Zoo. Affen beobachten beim Latte macchiato trinken. Geht nicht, gibt’s nicht in Berlin.

Eingang KaDeWe vom Wittenbergplatz in Berlin

Bildnachweis: iStockphoto.com/VvoeVale

Flohmarkt-Abenteuer, Vintage-Schätze und Second Hand-Kuriositäten

Bekannt und beliebt bei Berlin-Besuchern wie Einheimischen sind die Flohmärkte der Stadt. Volkssport: Schnäppchen-Jagd. An jedem Wochenende finden in quasi jedem Stadtteil Verkäufe statt, allen voran der wohl bekannteste im Mauerpark (Prenzlauer Berg/Wedding). Professionelle Händler und Privatverkäufer feilschen hier um so ziemlich alles: von Möbeln über Kleidung bis hin zu Schallplatten. Da kann es schon mal eng werden in den Gängen. Zum Glück findet man auf der Wiese nebenan ein Plätzchen, beobachtet Artisten oder lauscht dem Karaoke-Wettbewerb.

Auch unter der Woche bietet die Stadt Vintagemode und Second-Hand-Erlebnisse für den kleinen und größeren Geldbeutel. Bezahlt nach Kilogramm wird im PicknWeight (verteilt auf insgesamt vier Läden). Eine gut sortierte und bezaubernd präsentierte Auswahl an Vintagekleidung hält The Good Store in Neukölln parat. Alter Hase und inzwischen schon eine Institution: Pauls Boutique in der Oderbergerstrasse. Der kleine, vollgestopfte und etwas skurril anmutende Laden bietet Second Hand Sneaker, Shirts, Jeans und noch viel mehr. Kleine Schätze suchen hier neue Besitzer – man muss sie nur finden. Also Lust beim Suchen und am besten etwas Zeit mitbringen!

Flohmarkt Berlin

Bildnachweis: iStockphoto.com/Armin_Staudt

Street Style made in Berlin

Lässigkeit bestimmt das Bild der Berliner Straßen. Jeder Stadtteil hat dabei seinen ganz eigenen Charme. Während Mitte sich immer mehr zur schicken Zone und Paradies für die hippe Onlinemarketing-Generation entwickelt, geht es in Friedrichshain studentischer zu. Viel Subkultur ist dort zu finden, kleine Straßencafés reihen sich an Punk-Schuppen. Kreuzberg bietet von allem ein wenig: Rund um den „Kotti“ (Kottbusser Tor) herrscht multi-kulti, Idylle und fast schon Lauschigkeit im Bergmannkiez. Die hippen Wilden haben längst jungen Familien in Prenzlauer Berg Platz gemacht und treffen sich in Neuköllns Eckkneipen zwischen Weser- und Pannierstraße.

Berliner Hinterhof

Bildnachweis: iStockphoto.com/eldadcarin

Berlin ist eine Stadt im Wandel. Vieles steht noch am Anfang, muss sich noch finden und wachsen. Ob die Stadt je ankommt, zur Ruhe kommt? Man will fast sagen: Hoffentlich nicht. Denn genau das ist es, was die Stadt zur momentan spannendsten Europas macht. I want to be a part of it, Berlin, Berlin!

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