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Von Mythen, Märchen & Mauermalereien: Roadtrip durch Irland

Schroffe Felsküsten, grüne Hänge, Hochmoore und verwunschene Burgen: Irland hat etwas Träumerisches – und hat nicht nur berühmte Literaten hervorgebracht, sondern war zudem Kulisse für zahlreiche Episoden der Serie „Games of Thrones“. Bei einem Roadtrip durch Irland lässt sich die Grüne Insel am besten entdecken.

Frida van Dongen ist eine deutsche Journalistin und Reisebloggerin. Sie betreibt den Niederlande-Blog www.grachtenundgiebel.de, schreibt aber auch begeistert über andere Destinationen – von Finnland bis Tansania. In Irland holte sie sich einen üblen Muskelkater, aber das ist nicht der einzige Grund, warum sie die grüne Insel nie mehr vergessen wird.

Banner-Bildnachweis: iStock.com/grafxart8888

Meinen ersten Surfkurs absolvierte ich nicht in den warmen Wellen vor Hawaii. Sondern im 14 Grad kalten Atlantik am irischen Keel Beach. Was hatte mich bloß geritten, an einem diesigen Spätsommertag in den hippiesken Doppeldeckerbus eines Surferboys zu steigen, mich dort in einen Neoprenanzug zu zwängen und mit einem Brett unter dem Arm an den breiten Sandstrand zu schlurfen? Jedenfalls hörte ich mich irgendwann in den kalten Fluten jauchzen: wann immer eine kleine Welle mich einlud, mich irgendwie auf das Brett zu wuchten und mich dann kniend – in den Stand schaffte ich es leider nicht – gen Ufer gleiten zu lassen. Die nächsten Tage hatte ich zwar furchtbaren Ganzkörpermuskelkater – aber mein irisches Surferlebnis werde ich niemals vergessen!

Achill Island: die größte vorgelagerte Insel Irlands

Die Blackfield Surfschool befindet sich auf Achill Island, der größten Insel Irlands, die mit dem Festland durch eine Brücke verbunden ist. Um das Eiland zu erreichen, fährt man von Dublin aus knapp vier Stunden einmal quer über die Insel gen Westen. Anfangs eine Herausforderung, denn bekanntlich fährt man hier links – aber man gewöhnt sich recht schnell daran. Unterwegs bekommt man schon einen recht guten Eindruck, warum Irland auch als die „grüne Insel“ bezeichnet wird. Am Etappenziel angelangt, sehen wir das Klischee auf das Schönste bestätigt: grüne Hänge und Hochmoore, raue Klippen und einsame Sandstrände prägen die Landschaft.

Blackfield Surfschule Irland

Bildnachweis: Frida van Dongen

Heinrich Bölls Ferienhaus

Um mich also vom Muskelkater zu erholen, machen wir am nächsten Tag eine kleine Wanderung, die uns zu jenem Haus führt, welches der deutsche Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll ab 1958 für einige Zeit bewohnte, wo er sein „Irisches Tagebuch“ schrieb und das heute ein Künstlerhaus ist, in dem Stipendiaten für einige Zeit an ihren literarischen Werken arbeiten dürfen. Das Haus ist normalerweise nicht zu besichtigen – aber durch einen glücklichen Zufall gewährt uns der damalige Bewohner ausnahmsweise Einlass in das Böllsche Domizil. Seien Sie versichert: es ist ein gänzlich unspektakuläres Ferienhaus, und durch die Lektüre des „Irischen Tagebuchs“ erfährt man wesentlich mehr über Böll und auch über die irische Seele.

Es gäbe nun die Möglichkeit, in den Süden der grünen Insel fahren und Städte wie Galway, die Küste von Clare mit ihren hoch aufragenden Felswänden oder ganz in der Südspitze das für seine kulinarischen Angebote bekannte Baltimore zu besuchen, bevor man sich langsam über das mittelalterliche Kilkenny wieder nach Dublin zurückbegibt.

Wild Atlantic Way: eine der längsten Küstenstraßen der Welt

Wir aber haben uns für dieses Mal die Nordroute ausgeguckt. Unser Ausgangspunkt Achill Island liegt auf dem „Wild Atlantic Way“, eine Küstenstraße von rund 2600 km Länge, die entlang der gesamten irischen Westküste verläuft. Bei der Fahrt eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf Felsformationen und natürlich den Atlantik; die Route ist gesäumt von hübschen Ortschaften in denen Pubs zur Einkehr und Bed-and-Breakfasts zur Ruhe nach aufregenden Eindrücken einladen.

Irland's Küste

Bildnachweis: Frida van Dongen

Von Giganten-Hand aufgetürmt: der Giant’s Causeway

Wenn man weiter über das Nordirlands zweitgrößte Stadt Derry fährt, gelangt man zu einer unwirklich anmutenden Küstenformation, die eine der größten Sehenswürdigkeiten der Insel darstellt: den Giant’s Causeway. Die sechseckigen Säulen, die aus dem Meer ragen, wirken wie von Giganten-Hand zusammengefügt. Zwar gibt es eine schlüssige geologische Erklärung für das Phänomen der vor 60 Millionen Jahren gebildeten Basalt-Lava-Säulen, aber die Legende liest sich doch viel schöner: demzufolge türmte der irische Riese Finn McCool die Steine auf, um über das Meer zu seinem schottischen Widersacher stapfen zu können.

Auf den Spuren von „Games of Thrones“

Wer sich weiterhin im Reich der Sagen und Mythen bewegen möchte, kann sich in der Gegend zu den Drehorten der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ begeben. Denn die verwunschene Landschaft in Nordirland bot die Kulisse für zahlreiche Episoden der preisgekrönten Filmproduktion. Das irische Tourismusbüro hat daher eine Route für eine viertägige Autotour zu den Drehorten aufgelegt. Sie führt ins Herz der Sieben Königreiche: von den Mourne Mountains über Belfast, wo in den Titanic Studios diverse Innenaufnahmen gedreht wurden, über die Cushendun-Höhlen bis zur grusligen Allee Dark Hedges.

Belfast: Geburtsstätte der Titanic

Wir fahren zurück aus den Fantasiewelten – ins Hier und Jetzt. In Belfast begeben wir uns schnurstracks in den legendären Pub „The Crown“, ein viktorianisches Schmuckstück, dessen Geschichte bis 1826 zurückreicht. Hier planen wir bei einem Ale unseren weiteren Aufenthalt. Auf der Agenda für die nächsten Tage steht natürlich an oberster Stelle „Titanic Belfast“. Auf dem ehemaligen Gelände der Werft Harland & Wolff, wo das damals größte Schiff der Welt am 31. Mai 1911 vom Stapel lief, ist ein ultramodernes, interaktives Titanic-Informationszentrum entstanden.

Belfast

Bildnachweis: iStock.com/NigelAndrews

Zu Fuß entlang der „Peace Line“

Obwohl es ein schwarzes Kapitel in der Geschichte der Grünen Insel ist, sollten Belfast-Besucher einen Spaziergang oder eine Rundfahrt auf den Spuren des Nordirland-Konflikts nicht auslassen. Entsprechende Touren bieten etwa Coiste Irish Political Tours an. Die euphemistisch „Peace Line“ genannte Mauer in West Belfast trennt die Gebiete der Falls Road (Wohngebiet katholischer Republikaner) von der Shankill Road (protestantische Unionisten). Auf beiden Seiten finden sich allerorts bewegende Wandmalereien, die den 1998 mit dem Karfreitagsabkommen offiziell beendeten Konflikt thematisieren.

Zurück auf Los: unterwegs in der (Literatur-)Hauptstadt Dublin

Es wird Zeit, wieder zum Ausgangspunkt unserer Reise zurückzukehren: nach Dublin. Für die Hauptstadt Irlands sollte man mindestens zwei Tage einplanen. Allein schon das Viertel Temple Bar mit seinen Geschäften, Bars, Restaurants und Theatern lädt zum stundenlangen Bummel auf dem Kopfsteinpflaster ein. Einen nachdrücklichen Eindruck von der literarischen Tradition Dublins erhält man im Trinity College, wo das reich illustrierte Manuskript Book of Kells aus dem 9. Jahrhundert ausgestellt ist. Weiter auf den Spuren berühmter irischer Literaten wie Joyce, Stoker, Wilde und Yeats könnte man bei einer entsprechenden Führung gehen. Aber Kultur macht eben durstig. Und so begeben wir uns eben nicht ins Guinness Storehouse, eine der Hauptattraktionen der Hauptstadt, wo Bierbrauen eher theoretisch vorgeführt wird. Sondern straight away in einen der zahlreichen Pubs – und stoßen bei einem Guinness auf unsere fantastische Reise durch Irland an.

Dublin

Bildnachweis: iStock.com/LeonidAndronov

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