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Eine Rundreise durch Kreta – Von Mythen, Göttern und Muscheln

Die größte Insel Griechenlands ist reich an Mythen und Geschichte, aber auch an landschaftlichen und kulinarischen Schätzen. So ist man bei einer Rundreise durch Kreta – mit oder ohne Absicht – stets irgendwelchen liebestollen Göttern, alten Minoern, Griechen, Römern, Venezianern oder Osmanen auf der Spur. Ob zum Erkunden von antiken Stätten und faszinierender Natur oder auch um möglichst viele Strände und Tavernen auszutesten: Am schnellsten und bequemsten lassen sich Kretas Sehenswürdigkeiten per Mietwagen entdecken.

Der deutsche Journalist Carsten Heinke – zu Hause in Leipzig und einem Dorf im lettischen Kurland – hat sein Hobby Reisen zum Beruf gemacht. Als freier Autor reist, schreibt und fotografiert er für Print- und Online-Medien in Deutschland, Lettland, den Niederlanden und Österreich. Viele seiner Fotos postet er auf Instagram und – zusammen mit Notizen, Texten und veröffentlichten Beiträgen – auch auf Facebook.

Banner-Bildnachweis: VladimirSklyarov

Iraklio ist keine Schönheit. Dennoch lohnt es sich, die Inselhauptstadt, wo unser zweiwöchiger Trip beginnt, ein wenig näher anzuschauen. Die spektakulärsten Gebäude stammen aus der Zeit, als Kreta venezianisch war: die Hafenfestung Koules, die Arsenale, die Loggia im Renaissancestil, der Morosini-Brunnen an der Platia Venizelou.

 Hafenfestung Koules - Kreta

Bildnachweis: Carsten Heinke

Bei einem Spaziergang entlang der historischen Stadtmauer entdecken wir auf der Martinengo-Bastion das Grab des kretischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis. Wegen seiner unangepassten Weltanschauung von der griechisch-orthodoxen Kirche geächtet, durfte er demzufolge nicht auf einem Friedhof bestattet werden.

Sein Roman “Alexis Sorbas” und insbesondere dessen Verfilmung (Originaltitel “Zorba the Greek”, 1964) mit der legendären Musik von Mikis Theodorakis setzten der griechischen Kultur und Lebensart ein unsterbliches Denkmal und prägen hierdurch deren Bild bis heute in der ganzen Welt.

Königspalast führt Top 10 der Sehenswürdigkeiten Kretas

Lange vor den Griechen lebten die Minoer auf dem Eiland zwischen Afrika, Kleinasien und Europa. Ihre Königsstadt war Knossos, nur ein paar Fahrminuten von Iraklio. Bevor im 18. Jahrhundert vor Christus ein furchtbares Erdbeben den gewaltigen Gebäudekomplex zerstörte, erhob er sich mit mehr als tausend Räumen fünf Etagen hoch über dem Kefala-Hügel.

Die Reste der antiken Palastanlage – von dem Engländer Sir Arthur Evens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgegraben und teils ziemlich farbenfroh und fantasievoll “rekonstruiert” – stößt bei Archäologen zwar auf Kritik, dafür bei Massen von Touristen auf Begeisterung.

Als Bekannteste der Top 10 Sehenswürdigkeiten Kretas kündet Knossos von der Macht und Pracht der vielleicht ältesten Kultur Europas. Der ganze Kontinent verdankt seinen Namen einem Liebesabenteuer, das auf Kreta spielte. Kein anderer als Göttervater Zeus war es, der sich in einen Stier verwandelte, um Europa, eine schöne Königstochter aus Phönizien (heute Libanon und Syrien), auf die fünftgrößte Insel im Mittelmeer zu entführen.

Steinzeitmenschen und Hippies: In den Felsenhöhlen von Matala

Das Paar erreichte Kretas Südküste bei Matala. Seit Jahrtausenden wird dieser von der Natur geschaffene Hafen für Fischerei und Seefahrt genutzt. Erste Siedlungsspuren stammen sogar aus der Jungsteinzeit. In den lang gestreckten Sandsteinwänden, die die Bucht umfassen, gruben sich die frühen Menschen Höhlen.

Die Römer nutzten diese später als Begräbnisstätten. Während des Vietnamkrieges in den 1960er-Jahren nisteten sich US-amerikanische Kriegsdienstverweigerer und Hippies aus aller Welt in den Felsenlöchern ein. Heute ist die Steinzeit-Blumenkinder-WG ein archäologisches Museum. Für drei Euro Eintritt dürfen wir sie besichtigen.

Zwischen eher ungemütlichen Touristenrestaurants finden wir am Strand von Matala urige kleine Tavernen wie die von Eleni und genießen bei bester Aussicht auf einen der schönsten Strände Kretas herrlich frische Sardinen vom Grill und hausgemachte Muscheln.

Kreta Muscheln

Bildnachweis: Carsten Heinke

So wie Zeus und Europa, flüchten nun auch wir vor der heißen Sonne Matalas nach Gortys. Dem Mythos nach bereiteten dort schon Nymphen das Liebesnest unter einer schattigen Platane vor, während der Gott seine Angebetete in Gestalt eines Adlers in die antike Metropole trug. Wir fahren die 24 Kilometer mit dem Mietwagen. Tatsächlich steht dort ein Baum wie aus dem Märchenbuch, der wohl tatsächlich schon älter als die Göttersagen ist.

Von der einstigen Römerstadt blieben nur Ruinen. Die beeindruckendsten sind die der Titus-Kirche und des Odeons. Als Sensation gelten die in 42 Steinquader gemeißelten Rechtsvorschriften aus dem fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Es ist der älteste europäische Gesetzestext. Unter anderem regelt er juristische Fragen zu Ehe und Familie.

Von Chersonissos und Malia ins Kinderzimmer des Götterbosses

Steinerne Zeugnisse aus der Antike locken uns auch nach Chersonissos und in die Paläste von Malia, Festos und Agia Triada. Wie fast jeder Ort der Insel sind sie per Auto gut erreichbar. Die Fahrt zur Diktäischen Grotte dauert etwas länger, aber dafür führt sie über die majestätische Lasithi-Ebene.

Die Höhle, welche die Minoer schon vor fast 5.000 Jahren als Kultstätte nutzten, ist vor allem als Kinderstube des Zeus bekannt. Nach einer von mehreren Mythenversionen wurde der spätere oberste Gott in Lyktos auf Kreta geboren und vor seinem Vater in der Höhle des Dikti-Gebirges versteckt. Die bizarren Tropfsteingebilde sind spektakulär, doch ohne kitschiges Farblicht wäre ihre magische Wirkung sicherlich viel stärker.

Bezüge zu den alten Göttersagen und Minoern bietet ebenso die berühmte Samaria-Schlucht, die sich zwischen 1.200 Meter hohen Bergen in der Inselmitte und dem Lybischen Meer erstreckt. Der Eingang ist übrigens in Xyloskalo (“Holztreppe”) bei Omalos unweit von Chania.

Bis zu 600 Meter ragen einige Wände der Schlucht empor. An ihrer schmalsten Stelle, der “Eisernen Pforte”, ist sie kaum mehr als drei Meter breit. Sowohl Mythen wie auch Chroniken erwähnen Tarrha (heute Agia Roumeli), eine antike Hafenstadt am Südausgang des 13 Kilometer langen Felsentals.

Samari Schlucht

Bildnachweis: Carsten Heinke

In Balos und Elafonissi ist nur chillen angesagt

Ebenfalls an einer Schlucht im Süden Kretas liegt der Urlaubsort Plakias mit einem tollen, 1,5 Kilometer langen Sand-und-Kies-Strand. Begrenzt wird er an einer Seite durch eine 300 Meter lange und 40 Meter hohe Kalksteinwand, die sehr beliebt bei Klettersportlern ist. Direkt davor wuchs der angestaute Flugsand zu einer Düne. Das windgeschützte Biotop lässt seltene Gewächse weiterhin wie Strandlilien gedeihen.

Im nahe gelegenen Agios Vasilios entdecken wir mit dem dortigen Palmenstrand Moni Preveli am gleichnamigen Kloster einen der hübschesten Küstenabschnitte Kretas. Durch die malerische Kourtaliotiko-Schlucht und die Bergdörfer Spili und Lambini führt eine interessante Route an die Nordküste in die Hafenstadt Rethymnon mit vielen sehenswerten Bauwerken.

Über Chania geht es weiter auf die Halbinsel Gramvousa. Bevor wir zurückfahren, um in Agios Nikolaos auf Segeltour im Golf von Mirabello zu gehen, legen wir hier, am südwestlichsten Inselzipfel, ein paar Tage Pause ein.

Zusammen mit der Miniinsel Elafonissi und ihren zwischen Dünen und Meeresbassins gelegenen Stränden zählt die idyllische, an Südseeparadiese erinnernde Bucht und Lagune von Balos zu den populärsten Sehenswürdigkeiten der Natur von Kreta. Für uns ist sie jetzt der perfekte Ort für das Projekt „Gepflegtes Nichtstun“.

Agios Nikalaos

Bildnachweis: Carsten Heinke

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