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Rheinische Lebensfreude: Stadturlaub in Köln und Umgebung

Köln ist die viertgrößte Stadt Deutschlands. Die rheinische Metropole wird zumeist mit dem Dom, dem Karneval und den Kölsch-Brauhäusern in Verbindung gebracht. Natürlich handelt es sich dabei um Attraktionen von höchstem Rang. Die rund 2000 Jahre alte Stadt am Rhein aber hat viel mehr zu bieten, als nur Frohsinn, Kirchen und Bier.

Ralf Johnen ist Journalist, Buchautor und Fotograf. Er betreibt den Reiseblog www.boardingcompleted.me, der bei der ITB in Berlin auf Rang 11 der beliebtesten deutschsprachigen Reiseblogs gewählt wurde. Ralf Johnen hat mehr als 40 Länder besucht. Wenn er nicht unterwegs ist, liebt der das Leben in Köln.

Banner – Bildnachweis: iStock.com/RudyBalasko

Wer zum ersten Mal mit dem Mietwagen über die Deutzer Brücke nach Köln einfährt, kann sich dem Zauber kaum entziehen: Zur Rechten baut sich der majestätische Dom auf, dessen beiden Türme 157 Meter in den Himmel ragen. Der Dom gehört zu den weltweit größten Sakralbauten – und als solche dominiert er die Skyline Kölns aus allen Perspektiven.

Skyline Köln

Bildnachweis: Ralf Johnen

Natürlich sollte die gotische Kathedrale auf jeder Liste der zu besuchenden Attraktionen stehen. Allein die abenteuerliche Entstehungsgeschichte mit einer Bauzeit von mehr als 650 Jahren ist ein Thema, in das man sich stundenlang vertiefen kann. Schon bei der Überquerung der Brücke aber offenbart sich, dass Köln weitaus mehr als nur sein bekanntestes Bauwerk zu bieten hat: So buhlt in unweiter Entfernung zum Dom ein viereckiger Turm um Aufmerksamkeit, der dem Dom ernsthafte Konkurrenz macht.

Mittelalterliche Monumente

Das 75 Meter hohe Bauwerk gehört zu Groß St. Martin, einer von insgesamt zwölf romanischen Kirchen. Gemeinsam erinnern diese daran, dass Köln einst sehr katholisch war. Vor allem aber belegen sie, dass die Stadt am Rhein im Mittelalter zu den größten und wohlhabendsten der Welt gehörte. Allein aufgrund ihrer ausgeklügelten Architektur sind die Kirchen Stück für Stück einen Besuch wert. Wenn ich mich jedoch für eine einzige entscheiden müsste, wäre das St. Pantaleon, deren fast 1000 Jahre zurückreichende Geschichte mich stets mit Ehrfurcht erfüllt.

Lebenswerte „Veedel“

Außerdem befindet sich St. Pantaleon ziemlich genau in der Mitte zwischen meinen beiden Lieblingsvierteln – oder „Veedel“, wie der Kölner liebevoll sagt. Dabei handelt es sich um das Belgische Viertel und die Südstadt, die beide auf ihre Weise alles vereinen, was eine lebenswerte Metropole ausmacht.

köln st pantaleon

Bildnachweis: Ralf Johnen

Die Champs Elysees von Köln

Zentrale Sehenswürdigkeit der Südstadt ist die Severinstorburg, eines von vier erhaltenen Stadttoren aus dem Mittelalter. Wer von hier aus in Richtung Innenstadt läuft, findet mit der Severinsstraße eine der kölnischsten aller Straßen vor. Nicht ohne Augenzwinkern sprechen die Veedelsbewohner von der „Champs Elysees der Südstadt“. Restaurants, inhabergeführte Geschäfte, traditionelle Eckkneipen und Kioske reihen sich hier aneinander.

Südländische Lebensart in der Südstadt

Die Südseite jenseits des Chlodwigplatzes ist unterdessen fest in Händen der örtlichen Bohème, die eine fast schon südländische Lebensart kultiviert. In der Alteburger Straße oder am Volksgarten stehen die wohl imposantesten Gründerzeitpaläste der Stadt – und in deren Erdgeschossen haben sich viele Restaurants einquartiert. Mein persönlicher Favorit ist zurzeit die Bagatelle, wo französische Tapas und leckere Weine zu vernünftigen Preisen auf den Teller kommen. Für den anspruchsvollen Gaumen empfiehlt sich die Brasserie Capricorn i Aries.

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Bildnachweis: Brasserie Capricorn i Aries

Kulisse für laue Sommerabende

Technisch gesehen gehört auch der Rheinauhafen noch zur Südstadt. In den Speicherbauten, wo über lange Jahrzehnte hinweg Waren umgeschlagen wurden, befinden sich heute stilvolle Loft-Wohnungen. Nach der Verabschiedung der Pläne zum Umnutzung diente das Areal als Spielwiese für Architekten, die als markantestes Merkmal die drei sogenannten Kranhäuser hinterlassen haben. Eine herrliche Kulisse vor allem für laue Sommerabende, die auf der Terrasse des Promi-Restaurants Limani auch gerne eine feuchtfröhliche Wendung annehmen dürfen.

Moderne Krankenhäuser Köln

Bildnachweis: iStock.com/bernsmann

Süße Museumslandschaft

Am Nordende des Rheinauhafens befindet sich mit dem Schokoladenmuseum Kölns meistbesuchtes Museum. Dieses überzeugt zwar mit einer spektakulären Lage. Rein inhaltlich aber sind die Kunstmuseen deutlich wertvoller. Das Wallraf-Richartz-Museum etwa ermöglicht anhand von Exponaten von Rubens bis Van Gogh eine Zeitreise durch viele Jahrhunderte Kunstgeschichte. Mehr auf Gegenwartskunst ausgerichtet ist das Museum Ludwig, das ich regelmäßig aufsuche – auch weil ich mir völlig ungestört Ikonen der Klassischen Moderne und der Pop Art ansehen kann.

Relikte aus der Römerzeit

Von hier aus ist es nicht weit zur Altstadt, wo sich allerdings kaum je ein Kölner aufzuhalten scheint. Viel mehr sind es Touristen, die hier die Brauhäuser aufsuchen oder per Bus und Schiff zu einer Stadtrundfahrt aufbrechen. Vor allem aber eignet sich der älteste Teil der Stadt, um sich auf die Relikte der römischen Vergangenheit zu stürzen. Kaum bekannt und doch sehr beeindruckend ist das Praetorium. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Sitz des römischen Statthalters von Colonia Agrippina, der in einer Art Betonschale erstaunlich gut erhalten ist.

Südstadt Köln

Bildnachweis: iStock.com/PrasitRodphan

Ein Veedel ohne die üblichen Ketten

Die Einheimischen verdingen sich unterdessen lieber im Belgischen Viertel, das seinen Namen den örtlichen Straßen verdankt, in denen unter anderem Brüssel und Antwerpen verewigt sind. Hier wird man Ketten vergeblich suchen. Stattdessen haben sich in den Häusern kleine Boutiquen, stilvolle Restaurants und coole Cocktailbars eingemietet. Ein perfekter Abend könnte so aussehen: Erst zur Auffrischung der Garderobe zu Monsieur Courbet (Damen gehen wahlweise in die Boutique Belgique). Anschließend bei Groove Attack oder Parallel Schallplatten die Vinyl-Sammlung erweitern. Dann ein schönes Menü im Sorgenfrei. Und zum Abschluss in der Scheinbar versacken.

In der Nacht nach Ehrenfeld

Die Variationsmöglichkeiten freilich sind unendlich. Vor allem an Wochenende zieht es das Partyvolk in den Nordwesten der Stadt nach Ehrenfeld, wo sich die besten Clubs befinden. Über das Heinz Gaul zum Beispiel staunen auch Besucher aus der selbsterklärten Partyhauptstadt der Welt: Berlin. Als völlig abgefahren gilt auch Odonien, eine skurrile Mischung aus Schrottplatz, Skulpturenpark, Biergarten und Techno-Club. Am nächsten Morgen könnte es dann zum veganen Frühstück ins Well Being auf der Brabanter Straße gehen (noch so ein belgischer Name).

Auf Entdeckungsreise in die Bundesstadt

Nach so viel Urbanität kann ein wenig Entspannung nicht schaden. Mein Lieblingsort hierfür sind die beiden Kanäle im Stadtteil Lindenthal, an denen man herrlich entlangjoggen kann, um anschließend in den Stadtwald zu gelangen. Wer es jedoch vorzieht, mit dem Mietwagen das Umland zu erkunden, hat noch mehr Ziele zur Auswahl. Perfekt für einen Ausflug eignet sich Bonn: die Bundesstadt ist in weniger als einer halben Stunden erreichbar. Dort warten Beethovens Geburtshaus und die Rheinauen darauf, entdeckt zu werden. Außerdem besitzt Bonn mit der Südstadt eines der größten und schönsten zusammenhängenden Gründerzeitviertel Deutschlands.

Bonn

Bildnachweis: iStock.com/Meinzahn

Ein Blick zurück nach Köln

Den Blick vom Rheinufer in Richtung Siebengebirge bezeichnete Heinrich Heine einst als einen der schönsten der Welt. Tatsächlich lohnt es sich, den nahen Drachenfels aufzusuchen. Oben, vom 321 Meter hohen Gipfel, haben Besucher einen perfekten Blick auf das romantische Rheintal. In der anderen Richtung reicht der Blick an klaren Tagen bis zu einem alten Bekannten, dem Kölner Dom. So erschließt sich besonders eindrucksvoll, was diese Region auf engem Raume alles zu bieten hat.

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