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Traditional dutch buildings in Amsterdam

Tipps für einen Kurztrip nach Amsterdam

Es ist einfach und noch dazu recht kostengünstig, einen Kurztrip nach Amsterdam zu planen: Die größte Sehenswürdigkeit nämlich ist die Stadt selber. Wenn über die Keizersgracht oder die Prinsengracht die Dämmerung hereinbricht, sich die Lichter der gemütlichen Häuser im Wasser spiegeln und die Glühbirnen an den vielen Brücken sanft zu leuchten beginnen, ist das romantischer als jedes Gemälde. Seit 2010 gehört der Grachtengürtel aus dem frühen 17. Jahrhundert zum UNESCO-Welterbe, doch der Spaziergang durch das einzigartige Viertel wird immer kostenlos bleiben.

Ralf Johnen ist Journalist, Buchautor und Fotograf. Er betreibt den Reiseblog www.boardingcompleted.me, der bei der ITB in Berlin auf Rang 11 der beliebtesten deutschsprachigen Reiseblogs gewählt wurde. Ralf Johnen hat mehr als 40 Länder besucht. Wenn er nicht unterwegs ist, liebt der das Leben in Köln. Gerade schreibt er an seinem zweiten Buch über Amsterdam.

Banner-Bildnachweis: istockphoto.com/sborisov

Romantik im Boot

Unabhängig davon, ob man zum ersten oder zum hundertsten Mal in der Stadt ist, wäre der erste Abend eines Wochenendes somit gesetzt – wobei die klassische Grachtenrundfahrt sowohl als Alternative wie auch als Ergänzung taugt. Die Tour in den charakteristischen Booten mit den Glasdächern wird bei Dunkelheit und Kerzenschein zu einer schwelgerischen Reise in die Vergangenheit. Meine Lieblingsrederei übrigens heißt De Kooij, deren Boote als erste mit Elektromotoren unterwegs waren und die im Gegensatz zur Konkurrenz am Hauptbahnhof weiterhin nur 10,50 Euro (statt 16 Euro) für den Trip nimmt

Amsterdam Kanal mit Sighseeing Boot

Bildnachweis: istockphoto.com/gvictoria

Der Amsterdamer mag es „gezellig“

Für einen Drink am Abend eignet sich die Kneipe Papeneiland an der Prinsengracht. In dem Lokal ist die Zeit förmlich stehen geblieben: Ein gekachelter Kamin sorgt für Behaglichkeit. Auf Musik wird verzichtet. Dafür kann man den Amsterdamern bei ihren Gesprächen lauschen. „Gezellig“, sagt man hier dazu, was so viel wie „extrem gemütlich“ heißt. Bill Clinton war auch schon hier. Dem einstigen US-Präsidenten hat der Apfelkuchen so gut geschmeckt, dass er sich in Form eines nun ausgehängten Briefes für die Gastfreundschaft bedankt hat. Ich mag jedoch auch das Café De Twee Zwaantjes. Hier greift der Wirt gerne mal zum Karaoke-Mikrophon, um einen altholländischen Gassenhauer anzustimmen.

Ein Glas Bier in einer Kneipe

Bildnachweis: istockphoto.com/stu999

Auf zum Markt

Der Samstag gehört in Amsterdam den Märkten. Also auf zum Noordermarkt, der als erster in den gesamten Niederlanden überwiegend Bio-Produkte im Sortiment hatte. Knusprige Backwaren, milder Käse und ein leckeres „Kopje Koffie“ bilden eine gute Grundlange für die Krönung eines späten Frühstücks: ein Heringsfilet, das hier unter dem Namen „Hollandse Nieuwe“ angeboten wird. Wer danach noch nicht genug von der traditionellen Einkaufsform der Amsterdamer hat, sollte im Osten der Stadt den Dappermarkt besuchen. Hier trifft man kaum Touristen – ein echter Insidertipp.

Milder Käse

Bildnachweis: istockphoto.com/st-design

Nervenkitzel im Norden

Nach diesem Auftakt zum Wochenende in Amsterdam ist es am Nachmittag höchste Zeit, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Das meine ich sprichwörtlich, denn der Norden der Stadt ist zurzeit das heiße Ding schlechthin. Zwei der Gründe sind weithin sichtbar: Das Filmmuseum Eye und der rechteckige Adam-Turm. Beide gemeinsam haben dem Stadtteil zu einem Aufschwung von ungekannten Ausmaßen verholfen. Das Eye wegen seiner auffälligen Architektur und aufgrund der Tatsache, dass hier vier Säle mit hochwertigen Kunstfilmen bespielt werden. Und der Adam-Turm, weil er echten Nervenkitzel bietet: Hoch oben auf dem Dach befindet sich in fast 100 Metern Höhe eine Schaukel, die weit über das Geländer hinausgeht. Ein echter Kick! Doch auch ohne diesen lohnt sich der Weg hinauf: Die Aussicht ist sensationell.

Aussicht auf den rechteckigen Adam Turm von Amsterdam

Bildnachweis: istockphoto.com/repistu

Eine kostenlose Minikreuzfahrt

Wer nach „Noord“ möchte, ist auf die Dienste der Fähre angewiesen. Die Überfahrt bieten die Verkehrsbetriebe GBV ebenso kostenlos an, wie eine Mini-Kreuzfahrt über den Fluss Ij. Ziel ist die NDSM-Werft im Nordwesten der Stadt, wo lange Jahre Schiffe gebaut wurden. Heute ist das Areal ein Treffpunkt der Kreativen mit einigen interessanten gastronomischen Angeboten. Ich lasse es mir selten entgehen, ein Getränk im Pllek zu mir zu nehmen. Das Café ist in ausgemusterten Schiffscontainern untergebracht und verfügt über einen kleinen Stadtstrand.

NDSM-Werft im Nordwesten von Amsterdam

Bildnachweis: istockphoto.com/kuddl-24

Experimentelle Architektur

Noch interessanter als die ehemalige Werft aber ist die Überfahrt, die ungefähr 15 Minuten dauert. Die blaue Fähre der GBV nämlich eröffnet Blicke auf ein Amsterdam, das kaum bekannt ist: experimentelle Architektur dominiert die Ufer des Flusses zu beiden Seiten. Besser bekommt man Ijdok und Silodam nicht vor die Linse.

Experimentelle Architektur in Amsterdam

Bildnachweis: istockphoto.com/Mirrorimage-NL

Diner auf einer fast unbewohnten Insel

Auch einen meiner außergewöhnlichsten Amsterdam-Abende habe ich kürzlich auf dem Wasser begonnen. Der letzte Schrei nämlich ist ein Diner auf dem Vuurtoreneiland. Die kleine Insel liegt schon im Ijsselmeer und sie beherbergt neben einem Wohnhaus auch ein paar alte Bunker aus dem 19. Jahrhundert, in denen das Team von Spitzenkoch Sander Overeinder ein abendfüllendes Event anbietet. Das ist mit 90 Euro pro Person zwar nicht billig, aber ein unvergessliches gastronomisches Erlebnis in einer einzigartigen Umgebung. Kleiner Tipp: Wer dazu Lust hat, sollte rechtzeitig online buchen, denn die Plätze sind begrenzt.

Vuurtoreneiland nahe Amsterdam

Bildnachweis: istockphoto.com/Julia700702

Lebendige Gastronomie

Auch sonst aber hat Amsterdam eine lebendige gastronomische Landschaft, die es mit jeder Weltstadt aufnehmen kann. Ich mag gerne das Happyhappyjoyjoy, wo in einer poppig stilisierten Restaurantlandschaft hippe asiatische Gerichte serviert werden. Für ein romantisches Dinner gehe ich am liebsten ins Restaurant Daalder, wo der Chef nur ein einziges Menü mit vier bis sechs Gängen anbietet. Einen Absacker genehmige ich mir gerne im Café t’Smalle, noch so eine Hochburg der „Gezelligheid“, wie die Amsterdamer die höchste Stufe der Gemütlichkeit umschreiben. Das Café übrigens hat einige Japaner so beeindruckt, dass sie daheim in einem Themenpark einen maßstabgetreuen Nachbau errichtet haben.

Tisch mit Lavendelblüten

Bildnachweis: istockphoto.com/JANIFEST

Sporteinheit im Westerpark

Das Wochenende in Amsterdam aber hält noch einen letzten Tag bereit. Wenn ich Energie übrig habe, starte ich den Sonntag in meiner Lieblingsstadt mit einer Sporteinheit. Zum Joggen eignet sich der Westerpark, der in unmittelbarer Nähe zum Stadtviertel Jordaan ordentlich Platz zum Auslaufen bietet. Auch das Terrain der einstigen Gaswerke übrigens hat sich zu einem Schauplatz des „neuen Amsterdam“ gemausert. In den Backsteinbauten sind einige trendige Bars untergebracht, zum Beispiel die Westerwijnfabriek, wo echte Kenner süffige Tropfen ausschenken.

Ein Kanal im Westerpark in Amsterdam

Bildnachweis: istockphoto.com/Luis_Monteiro

Kultur am Sonntagvormittag

Dafür freilich ist es noch viel zu früh. Also nehme ich mir Zeit für Kultur. Rijksmuseum und das Van-Gogh-Museum lohnen an jedem Tag des Jahres einen Besuch. Doch die Stadt bietet auch weniger bekannte Highlights wie das Museum Het Schip. Das Haus ist vor allem etwas für Architekturfreunde, denn es zeichnet den Weg der sogenannten Amsterdamer Schule nach, welche die moderne niederländische Baukunst maßgeblich geprägt hat. Mein eigentlicher Liebling trägt den obskuren Namen „Ons Lieve Heer op Solder“, was so viel heißt wie „Unser gütiger Herr auf dem Speicher“. Dahinter verbirgt sich eine kleine katholische Kirche, die nach der Reformation ins Dachgeschoss eines Grachtenhauses verbannt wurde. So konnten die Katholiken weiterhin ihren Glauben praktizieren, obwohl er eigentlich verboten war. Ein typisches Beispiel für das Amsterdamer Verständnis von Toleranz.

Rijksmuseum in Amsterdam

Bildnachweis: istockphoto.com/imagsan

Zwei ganz besondere Domizile

Abschließend noch ein Wort zu meinen favorisierten Hotels. Wenn es etwas ganz besonderes zu feiern gibt, buche ich im Ambassade Hotel an der vornehmen Herengracht. In den zehn traditionellen Grachtenhäusern haben schon mehr als 4000 Schriftsteller aus aller Herren Länder gewohnt, die allesamt wenigstens ein signiertes Buch in der Bibliothek hinterlassen haben. Und die Zimmer sind sehr charmant. Hip und minimalistisch hingegen ist das Volkshotel, das sich in einem einstigen Verlagsgebäude befindet und auf spielerische Weise an diese Vergangenheit erinnert.

Hotel in Amsterdam

Bildnachweis: istockphoto.com/thehague

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