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Jakobsweg – Von Pilgerwegen, Pinienwäldern und Paradores

“Ich bin dann mal weg“ – so nennt Hape Kerkeling seinen Bestseller. Mal weg – für sechs Wochen. So lange pilgerte der Komiker, Schauspieler und mittlerweile auch Autor entlang des Jakobswegs. Diese besonderen Wanderstrecken erleben heute eine erstaunliche Renaissance. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 250.000 Menschen, die durch den Norden Spaniens bis nach Santiago de Compostela  zogen. Wenn von dem Jakobsweg geredet wird, dann ist in der Regel die klassische Route gemeint: der Camino Francés (Jakobsweg Frankreich).

Banner-Bildnachweis: Arie Mastenbroek

Der freie Journalist Thomas Grether aus Bad Homburg ist spezialisiert auf Artikel und Bloggs über Tourismus und Gesundheit. Besonders Spanien und Frankreich haben es ihm angetan; Deutschland liebt er aber auch sehr.

Galicien - Das grüne Spanien

Bildnachweis: Thomas Grether

Der Jakobsweg Frankreich, dessen Teilstück wir uns in Spanien ansehen wollen, hat eine Länge von ca. 800 Kilometer. Er führt von Saint Jean Pied de Port in Frankreich quer durch Nordspanien. Ziel ist die Kathedrale der Altstadt im spanischen Santiago de Compostela, die als UNESCO-Welterbe anerkannt ist. In dem Gotteshaus soll der Apostel von Jacobus begraben sein. Wer möchte, der kann Teile des Jakobswegs in Etappen erwandern. Wir machen Vorschläge für individuelle Touren entlang des Jakobswegs. So können sich Urlauber im Mietwagen Spanien, das so genannte grüne Spanien erschließen.

Diese Jakobsweg-Etappen sind hervorragend ausgeschildert, meistens mit einer Jakobsmuschel, die Fischhändler auch Pilgermuschel nennen. Viele Pilgerer, die wir während unserer Tour kennen lernen, tragen die Muschel auch als Kette um den Hals und führen einen Pilgerstock mit. Die Magie dieses Jahrhunderte alten Weges zieht an. Abends sitzen dann Christen, Moslems und Juden gemeinsam vor ihren Tellern und Gläsern.

Wanderweg Ausschilderung Jakobsweg

Bildnachweis: Thomas Grether

Exzellentes Essen wird hier im grünen Spanien zu Spottpreisen serviert. Überall bringt der Ober eine gut gekühlte Flasche Vino de Casa und schüttet den Weißen glasweise für einen Euro aus. Eine besondere Spezialität in Galicien ist der große Tintenfisch Pulpo. Garnelen mit Salat gibt es in der Strandkneipe für vier Euro. Wer abends fein gedeckt und mehrgängig diniert, zahlt dafür trotzdem nicht viel mehr als 25 Euro.

Wir haben uns schon am Flughafen in Santiago de Compostela einen Wagen gemietet. Unser Ziel: In einigen Etappen den Jakobsweg zu erkunden. Zumeist pilgerwandern. Und dann abends mit dem Auto in schönen Hotels zu wohnen. 25 bis 30 Kilometer am Tag sind gut zu schaffen. Tagsüber wandern wir, abends fahren mit unserem Mietwagen zu unseren superkomfortablen Paradores und Landhäusern. Nachdem wir uns Zeit in Santiago gelassen haben, suchen wir uns vier Jakobsweg-Filetstücke heraus. Los geht’s.

Tag 1: Mondän in Mondariz

Die erste Nacht haben wir in Santiago de Compostela verbracht. Am nächsten Tag führt der Weg etwa 150 Kilometer auf der Autobahn AP 53, über Ourense bis Allariz. Der Einstieg in den Silberweg (spanisch: Vía de la Plata) verläuft hinter der Kirche am Sportplatz von Allariz. Zehn Kilometer laufen wir bis zum Industriegebiet von Celanova, dann wieder zurück nach Allariz. Der mittelalterliche Ort in der Flusslandschaft des Oberlaufes des Arnoia ist sehenswert. Buschhohes Steppengras wogt im Wind, manchmal müssen wir auch ein Stück Landstraße entlang gehen. Sumpflandschaften wechseln sich mit kleinen Städtchen ab.

Wir sind froh, auf unseren Reiseführer gehört zu haben und neben den Wanderstiefeln auch noch unsere Nordic-Walking-Schuhe aus Goretex dabei zu haben. Denn auf bergigen Strecken und durch die zahlreichen Bachläufe geht es sich damit leichter. Es ist heiß und wir dursten, aber das macht nichts. Selbst das kleinste Vier-Häuser-Dorf hat sich auf die Pilgerer eingestellt und offeriert Wasser, Kaffee und ein Schattenplätzchen. Weiter geht es durch grüne Weiden und entlang einsamer Einfamilienhäuser, die ganz aus galizischem Granit gebaut sind. In Allariz angekommen geht die Fahrt zurück nach Orense und von dort über die Autobahn A 52 Richtung Vigo und die Nationalstraße 120 nach Mondariz (110 Kilometer).

Badehotel Balneario in Mondariz

Bildnachweis: Thomas Grether

Das Badehotel Balneario in Mondariz ist mondän. Kurz eingecheckt, gehen wir über unterirdische Gänge ins Thermalbad. Das warme Wasser, von dem noch vor 50 Jahren alljährlich eine Million Flaschen abgefüllt wurden, ist Balsam für unsere geschundenen Knochen. Anschließend nehmen wir einen kühlen Weißwein auf der Hotelterrasse und genießen den Blick über den Golfplatz und die Pinien- und Eichenwälder.

Tag 2: Wo der Grenzfluss Miño in den Atlantik mündet

Tags darauf geht es mit dem Mietwagen von Mondariz nach Santa Tegra über die N120 und die Europastraße E 1 über Tui nach Santa Tegra (ca. 80 Kilometer). Gut ausgeschlafen steuern wir Santa Tegra an der portugiesische Grenze am Fuß des Berges Monte de Santa Tegra an. Eine gute dreiviertel Stunde keuchen wir steil immer der Jakobsmuschel folgend bergauf, bis der Pinienwald sich öffnet.

Grenzfluss Miño - Jakobsweg

Bildnachweis: Thomas Grether

Der Blick über den Grenzfluss Miño ist atemberaubend. Als wir noch höher steigen, können wir sehen, wie der Miño, der hier einen Kilometer breit ist, in den Atlantik mündet. Der Pfad zurück bergab ist auch ausgeschildert. Wir kommen an einer Sammelunterkunft vorbei – und müssen Hape Kerkeling Recht geben. Diese Hütte, deren Namen wir höflichkeitshalber verschweigen, ist eine Zumutung. Der Entertainer hat in seinem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ oft vor den Behausungen gewarnt, in denen nicht selten 50 Leute beiderlei Geschlechts in einem Raum nächtigen. Besonders hier auf dem Jakobsweg-Küstenweg. Wir haben die Warnung Kerkelings ernst genommen, die auch zahlreichen Wanderführern zu entnehmen ist. Und sind froh um den erschwinglichen Luxus, den wir uns leisten.

Den Abend verbringen wir in Tui. Als der Motor läuft, fahren wir zurück über die N 13 Richtung Vigo bis in das Örtchen Tui (30 Kilometer). Dort gibt es den kleinen aber feinen Parador de Tui. Paradores, eine staatliche spanische Hotelkette, bietet vorzügliche Zimmer in historischer Bausubstanz an. Zum kühlen Weißwein wird leckerer Kalbsbraten serviert. Tui ist eine Stadt der vielen Kirchen; die Kathedrale ist unbedingt sehenswert. In Abend-Garderobe gehen wir noch ein paar Schritte zur Verdauung auf dem Jakobsweg.  Denn er führt hier entlang der portugiesischen Grenze; die Pilgerstrecke gewährt einen großartigen Blick auf die Berglandschaft Portugals und die malerische Nachbarstadt Valenca do Minho.

Tag 3: Zum vielleicht schönsten Parador überhaupt

Wir lenken unseren Mietwagen in den Küstenort Baiona – über E1 und Autobahn 57. Baiona ist ein beliebter Badeort mit warmem Atlantik-Wasser. Von Mai bis Oktober ist schwimmen eine große Freude. Dazu entscheiden wir uns – und spannen am Strand aus. Die Wanderschuhe bleiben heute im Auto. In Baiona gibt es hervorragende Fischrestaurants. Auf der Halbinsel Montereal thront hoch der Parador de Baiona Conde de Gondomar. Die umfassenden Wehrmauern aus vorrömischer Zeit beherbergen ein geschickt integriertes modernes Fünf-Sterne-Hotel. Als die Sonne untergeht, versammeln sich die Hotelgäste auf der Hotelterrasse und beobachten von hoch oben die Arbeit der Fischer.

Tag 4: Zur Pilgermesse

Früh morgens geht es nach Santiago de Compostela. Wir empfehlen den Parkplatz La Salle. Denn nur Einheimische dürfen mit Sondergenehmigung in die City. Dieser Abstellplatz ist ganz in der Nähe der Puerta del Camino, dem Tor des Pilgerweges unweit von San Roque, nur etwa zehn Minuten zu Fuß von der Kathedrale entfernt. Zusammen mit hunderten von Pilgern strömen wir in die Stadt. Sie alle wollen am Endpunkt ihrer Tour in die Kathedrale, zur Pilgermesse. Ein erhebendes Gefühl mit so vielen Menschen, die glücklich sind, viele hundert Kilometer gewandert zu sein. Die Kathedrale füllt sich immer mehr. Auch in den Seitenschiffen gibt es kaum noch einen Stehplatz. Wie gut, dass wir schon eine Stunde vorher, um elf Uhr, ins Gotteshaus gegangen sind.

Kathedrale in Santigao de Compostella

Bildnachweis: Thomas Grether

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