Ab ins Grüne: Von Berlin in den Spreewald

Seit 28 Jahren bin ich eine Berliner Pflanze. Eine, die mitten im Herzen der Stadt Wurzeln geschlagen hat und diese dann lockert, wenn Großes ruft. Wenn das ganz große Abenteuer, die Ferne, die Sonne und das Meer locken, dann ziehe ich los. Auf der Suche nach dem Neuen, fremden Gerüchen, Geschmäckern und einer Kultur, die ich so vielleicht noch nicht kenne. Kein Wunder also, dass ich es bis heute nicht ein einziges Mal in den Spreewald geschafft habe. Speckgürtel von Berlin nennen wir Berliner ihn. Umland. Oder einfach nur Brandenburg. Und in Brandenburg, wie sagt man so schön, soll es ja auch tolle Ecken geben.

Der Spreewald ist ein Ort, von dem man als Berliner weiß, dass er Gurken hat und grün ist. Der Spreewald ist ein bisschen wie ein breit gefächertes Venedig, das sich geschmeidig um Berlin legt. Die Auen- und Moorlandschaft liegt im Südosten von Brandenburg und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer, Wellnessliebhaber und jene, die dem Großstadttrubel von Berlin einfach einmal entkommen möchten.

Gerade einmal 97 Kilometer und damit 1,5 Stunden ist die grüne Lunge um Berlin von der deutschen Hauptstadt entfernt. Ein Grund mehr, um endlich einmal der Großstadt zu entfliehen und Wochenende in der Natur zu verbringen.

Die Wasserstrassen mit dem echten Spreewald-Kahn erkunden

Ganze 970 Kilometer an Wasserstrasse fließen durch den Spreewald und die wollen erst einmal erkundet werden. An unserem ersten Stopp, dem Hafen Waldschlösschen im Örtchen Burg, lassen wir das Auto stehen und hüpfen in einen echten Spreewald-Kahn, der hier sogar noch ganz traditionell per Hand bewegt wird. An uns vorbei zieht die wunderschöne, unberührte Landschaft: Bäume, Büsche und etliche Wiesen, die hier das Bild verschönern. Dazu kommen die verträumten Häuser, die zwar in die Jahre gekommen sind, aber einen solchen Charme versprühen, dass wir selbst direkt einziehen möchten. Gemütlich sitzen wir auf dem Kahn, lauschen den Geschichten des Fahrers und nippen an unserem wohlverdienten Kaffee.

Spreewald-Kahn

Bildnachweis: https://www.istockphoto.com/gb/photo/boat-trip-in-spree-forest-near-berlin-gm544681286-97960141

Eine Gurke für die Stärkung

Wenn wir schon einmal im Spreewald sind, dann wollen wir sie sehen, die Spreewaldgurken. In Berlin aufgewachsen, kann ich mir ein Leben ohne Spreewaldgurken kaum vorstellen. Zu lecker und knackig sind die kleinen grünen Dinger. Im Spreewald werden pro Jahr 40.000 Tonnen Freilandgurken geerntet. Das ist eine ganze Menge. Den Kahn verlassen wir, wenn auch etwas wehmütig, und machen uns auf zum Gemüsehof Baronick. Der Hofverkauf hat eine Menge Gemüse aus der  Region im Angebot – von Kartoffeln über Möhren bis hin, wie soll es anders sein, zu Spreewaldgurken. Die gibt es hier übrigens in allen möglichen Formen und Geschmäckern: mal grün, mal weiß, mal süß, mal sauer. Wir mögen sie alle!

Tipp: Gemüsehof Baronick, Schwarze Ecke 27, 03096 Burg (Spreewald)

Spreewald_Gurken

Bildnachweis: https://www.istockphoto.com/gb/photo/soup-with-sour-cucumber-closeup-horizontal-top-view-gm479354000-67944087

Aktiv geht’s mit dem Rad durch den Spreewald

Vom kleinen Örtchen Burg aus geht es für uns weiter nach Cottbus. Mit knapp 100.000 Einwohnern ist die kreisfreie Stadt Cottbus ein echtes Idyll und nach Potsdam die zweitgrößte Stadt von Brandenburg. Hier tauschen wir das Auto gegen ein Fahrrad und machen uns auf in die Umgebung der Stadt. Wir folgen der Spree mitten hinein in die unberührte Landschaft des Spreewalds. Das Atmen tut hier gut, der Puls fährt herunter und das Lachen im Gesicht wird größer. So eine Auszeit tut gut und sollte viel häufiger genommen werden.

Tipp: Fahrradverleih Axel Schulrath, Beuchstrasse 25, 03044 Cottbus

Wellness im Spreewald: Nach der Autofahrt kommt die Belohnung

Der Geruch von Zedernholz liegt in der Luft, ohne, dass es dieses hier überhaupt gibt. Das Alpenpanorama fest vor den Augen, ohne, dass es hier Berge gibt. Am liebsten würde man sich direkt in ein flauschiges Schaffell wickeln und den Tag vor dem Kamin ausklingen lassen. Doch Schnee gibt es hier keinen und erst recht keine Pisten. Dabei fühlt sich alles ganz und gar so an. Die Wände sind mit Holz verkleidet, über dem leise plätschernden Brunnen thront ein riesiges Hirschgeweih. Auch tragen kleine Birkenelemente und bunte Zierdecken auf den dicken Ledersofas im Eingangsbereich zum alpinen Flair bei: Willkommen im Bleiche Resort & Spa.

Wir sind angekommen in unserem Domizil für unsere Nacht im Spreewald und können es kaum erwarten, das Abendbuffet unsicher zu machen. Hier wartet ein ganzer Raum voll regionaler Spezialitäten auf uns: Wurst und Käse aus dem Spreewald, Gurken und andere eingelegte Dinge von den hiesigen Bauern. So kann der Abend im Spreewald auf jedenfall enden.

Ein Wochenende: Viel zu kurz für den grünen Speckgürtel

 Ein Wochenende im Spreewald vergeht viel zu schnell. In Windeseile sitzen wir wieder im Auto, fahren ein letztes Mal durch die schmalen Wege der kleinen Ortschaften im Spreewald und tauschen urplötzlich das grüne Idyll mit dem kargen Antlitz der Autobahn. Berlin rückt näher. Und damit die Großstadt, der Trubel und die weniger frische Luft. Doch das war ganz sicher nicht das letzte Mal, dass wir uns am Wochenende auf in den Spreewald machen, um tief durchzuatmen und die Umgebung der deutschen Hauptstadt in vollen Zügen zu genießen.